Die Schilddrüsenunterfunktion, medizinisch als Hypothyreose bezeichnet, ist eine der häufigsten Hormonstörungen in Deutschland. Etwa 5-10% der Bevölkerung sind davon betroffen, wobei Frauen deutlich öfter erkranken als Männer. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse produziert das schmetterlingsförmige Organ im Hals zu wenig lebenswichtige Hormone, was den gesamten Stoffwechsel verlangsamt und zu vielfältigen Beschwerden führen kann.
Die gute Nachricht: Eine Schilddrüse Unterfunktion ist heute sehr gut behandelbar. Mit der richtigen Therapie können Betroffene ein völlig normales Leben führen. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige über Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Hypothyreose.
Was ist die Schilddrüse und ihre Funktion?
Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ, das sich im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfes befindet. Mit einem Gewicht von nur 20-25 Gramm ist sie zwar klein, aber von enormer Bedeutung für unseren Körper. Die Schilddrüse produziert zwei wichtige Hormone:
- Thyroxin (T4): Das Haupthormon der Schilddrüse
- Triiodthyronin (T3): Die aktive Form des Schilddrüsenhormons
Diese Hormone regulieren den Stoffwechsel, die Körpertemperatur, das Herz-Kreislauf-System und beeinflussen praktisch jede Körperfunktion. Die Hormonproduktion wird durch das TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) aus der Hirnanhangdrüse gesteuert – ein fein abgestimmtes Regelkreissystem.
Was ist Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)?
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse nicht ausreichend Hormone, um den Bedarf des Körpers zu decken. Man unterscheidet verschiedene Formen:
Manifeste vs. latente Hypothyreose
- Manifeste Hypothyreose: TSH erhöht, T3 und T4 erniedrigt, deutliche Symptome
- Latente Hypothyreose: Nur TSH erhöht, T3 und T4 noch normal, oft symptomlos
Formen nach Entstehungsort
- Primäre Hypothyreose: Problem liegt in der Schilddrüse selbst (95% aller Fälle)
- Sekundäre Hypothyreose: Ursache in der Hirnanhangdrüse
- Tertiäre Hypothyreose: Ursache im Hypothalamus
Ursachen der Schilddrüsenunterfunktion
Die häufigsten Ursachen einer Unterfunktion der Schilddrüse sind:
Hashimoto-Thyreoiditis
Diese Autoimmunerkrankung ist die häufigste Ursache der Hypothyreose in Deutschland. Das Immunsystem greift fälschlicherweise die eigene Schilddrüse an und zerstört schrittweise das Gewebe.
Weitere Ursachen
- Jodmangel: Besonders in jodkargen Gebieten
- Schilddrüsenoperationen: Nach Entfernung von Schilddrüsengewebe
- Radiojodtherapie: Behandlung bei Schilddrüsenüberfunktion
- Bestimmte Medikamente: Können die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen
- Angeborene Hypothyreose: Bei etwa 1 von 4000 Neugeborenen
- Schwangerschaft: Postpartale Thyreoiditis nach der Geburt
Symptome der Schilddrüsenunterfunktion
Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion entwickeln sich meist schleichend über Monate oder Jahre. Da der Stoffwechsel verlangsamt wird, sind die Beschwerden sehr vielfältig:
Allgemeine Symptome
- Ständige Müdigkeit und Erschöpfung: Auch nach ausreichend Schlaf
- Gewichtszunahme: Trotz unveränderter Ernährung
- Kälteempfindlichkeit: Frieren auch bei normalen Temperaturen
- Konzentrationsstörungen: Gedächtnisprobleme und verlangsamtes Denken
Körperliche Symptome
- Trockene, schuppige Haut
- Brüchige, dünne Haare und Haarausfall
- Geschwollenes Gesicht, besonders um die Augen
- Verstopfung und verlangsamte Verdauung
- Verlangsamter Herzschlag (Bradykardie)
- Heisere, raue Stimme
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Brüchige Fingernägel
Psychische Symptome
- Depressive Verstimmungen
- Antriebslosigkeit und Interessenverlust
- Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen
- Verlangsamte Reaktionen
Besondere Symptome bei verschiedenen Gruppen
Bei Kindern und Jugendlichen
- Wachstumsverzögerung
- Verzögerte Pubertätsentwicklung
- Schlechte Schulleistungen
- Müdigkeit und Konzentrationsprobleme
Bei Schwangeren
- Erhöhtes Risiko für Fehlgeburten
- Entwicklungsstörungen beim Kind möglich
- Verstärkte Schwangerschaftsbeschwerden
Bei älteren Menschen
- Oft unspezifische Symptome
- Verwechslung mit normalen Alterserscheinungen
- Erhöhtes Sturzrisiko durch Muskelschwäche
Diagnose der Schilddrüsenunterfunktion
Die Diagnose einer Hypothyreose erfolgt in mehreren Schritten:
Anamnese und körperliche Untersuchung
Der Arzt erfragt zunächst ausführlich die Symptome und Beschwerden. Bei der körperlichen Untersuchung wird die Schilddrüse abgetastet, um Größe, Konsistenz und eventuelle Knoten zu beurteilen.
Blutuntersuchungen
Die wichtigsten Laborwerte für die Diagnose sind:
- TSH-Wert: Der wichtigste Parameter. Erhöhte Werte deuten auf eine Unterfunktion hin
- fT3 und fT4: Die freien Schilddrüsenhormone im Blut
- TPO-Antikörper: Zum Nachweis einer Hashimoto-Thyreoiditis
- Thyreoglobulin-Antikörper: Weitere Autoimmunmarker
Normwerte (können je nach Labor variieren)
- TSH: 0,4-4,0 mU/l
- fT4: 10-25 pmol/l
- fT3: 3,5-8,0 pmol/l
Weitere Diagnoseverfahren
- Ultraschall der Schilddrüse: Zur Beurteilung von Größe, Struktur und Durchblutung
- Szintigraphie: Bei speziellen Fragestellungen
- Feinnadelpunktion: Bei verdächtigen Knoten
Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion
Die Behandlung einer Schilddrüse Unterfunktion zielt darauf ab, den Hormonmangel auszugleichen und die Symptome zu beseitigen.
Medikamentöse Therapie
Die Standardtherapie erfolgt mit künstlichen Schilddrüsenhormonen, die täglich eingenommen werden müssen. Wichtig: Jede medikamentöse Behandlung sollte ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Konsultieren Sie immer einen Arzt, bevor Sie Medikamente einnehmen oder die Dosierung ändern.
Wichtige Einnahmeregeln
- Medikament morgens nüchtern einnehmen
- Mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück
- Mit reichlich Wasser, nicht mit Kaffee oder Milch
- Regelmäßige Einnahme zur gleichen Zeit
- Nicht zusammen mit anderen Medikamenten
Einstellung und Kontrolle
Die richtige Dosisfindung braucht Zeit und Geduld:
- Erste Kontrolle: Nach 6-8 Wochen
- Dosisanpassung: Je nach TSH-Wert
- Ziel-TSH: Meist zwischen 1-2 mU/l
- Regelmäßige Kontrollen: Alle 6-12 Monate nach Einstellung
Unterstützende Maßnahmen
Ernährung bei Hypothyreose
- Jodreiche Ernährung: Seefisch, Meeresfrüchte, jodiertes Speisesalz
- Selenhaltige Lebensmittel: Nüsse, Vollkornprodukte
- Eisenreiche Kost: Wichtig für die Hormonproduktion
- Vermeiden: Übermäßigen Konsum von Soja und rohem Kohl
Lebensstil
- Regelmäßige körperliche Aktivität
- Stressreduktion und Entspannungstechniken
- Ausreichend Schlaf
- Nichtrauchen
Leben mit Schilddrüsenunterfunktion
Alltag und Lebensqualität
Mit der richtigen Behandlung können Menschen mit Hypothyreose ein völlig normales Leben führen:
- Arbeitsfähigkeit: Meist vollständig erhalten
- Sport: Keine Einschränkungen bei guter Einstellung
- Lebenserwartung: Normal bei konsequenter Therapie
- Lebensqualität: Deutliche Verbesserung nach erfolgreicher Behandlung
Schwangerschaft und Kinderwunsch
Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Schilddrüsenunterfunktion bei Frauen mit Kinderwunsch:
- Vor der Schwangerschaft: Optimale Einstellung des TSH-Werts
- Während der Schwangerschaft: Regelmäßige Kontrollen, oft Dosiserhöhung nötig
- Stillzeit: Fortsetzung der Therapie möglich und wichtig
- Kinderwunsch: Unbehandelte Hypothyreose kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen
Wechselwirkungen beachten
Verschiedene Faktoren können die Hormonaufnahme beeinflussen:
Medikamente
- Eisenpräparate
- Kalziumpräparate
- Bestimmte Magensäureblocker
- Cholesterinsenker
Nahrungsmittel
- Kaffee (2 Stunden Abstand)
- Milchprodukte
- Sojaprodukte
- Ballaststoffreiche Mahlzeiten
Schilddrüsenunterfunktion vs. Schilddrüsenüberfunktion
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Unterfunktion und Überfunktion der Schilddrüse:
| Aspekt | Unterfunktion (Hypothyreose) | Überfunktion (Hyperthyreose) |
|---|---|---|
| Gewicht | Gewichtszunahme | Gewichtsverlust |
| Herzschlag | Verlangsamt | Beschleunigt |
| Temperaturempfinden | Kälteempfindlichkeit | Hitzeempfindlichkeit |
| Energie | Müdigkeit, Antriebslosigkeit | Unruhe, Nervosität |
| Stuhlgang | Verstopfung | Durchfall |
Komplikationen und Risiken
Unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion
Eine unbehandelte Hypothyreose kann zu ernsten Komplikationen führen:
- Herz-Kreislauf-Probleme: Erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen
- Cholesterinerhöhung: Gefahr von Gefäßverkalkung
- Fruchtbarkeitsstörungen: Bei Frauen und Männern
- Myxödem: Seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation
- Entwicklungsstörungen: Bei unbehandelten Kindern
Myxödemkoma
Das Myxödemkoma ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation bei schwerer, langanhaltender Unterfunktion. Warnsignale:
- Extreme Müdigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit
- Sehr niedrige Körpertemperatur
- Verlangsamte Atmung und Herzschlag
- Starke Wassereinlagerungen
Vorbeugung
Ist Vorbeugung möglich?
Eine direkte Vorbeugung der Schilddrüsenunterfunktion ist nur begrenzt möglich:
- Ausreichende Jodversorgung: Verwendung von jodiertem Speisesalz
- Ausgewogene Ernährung: Mit allen wichtigen Nährstoffen
- Früherkennung: Bei familiärer Vorbelastung regelmäßige Kontrollen
- Autoimmunerkrankungen: Können meist nicht verhindert werden
Wann zum Arzt?
Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Sie folgende Symptome bemerken:
- Anhaltende, unerklärliche Müdigkeit
- Gewichtszunahme ohne veränderte Ernährung
- Ständiges Frieren
- Konzentrationsstörungen
- Haarausfall oder trockene Haut
- Depressive Verstimmungen
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann Schilddrüsenunterfunktion geheilt werden?
Eine Heilung im eigentlichen Sinne ist meist nicht möglich, da die zugrunde liegende Ursache (wie Hashimoto-Thyreoiditis) bestehen bleibt. Mit der richtigen Behandlung können jedoch alle Symptome beseitigt und ein normales Leben geführt werden.
Nimmt man bei Hypothyreose immer zu?
Nicht alle Betroffenen nehmen zu. Bei manchen Menschen ist die Gewichtszunahme nur minimal oder bleibt ganz aus. Mit der richtigen Behandlung normalisiert sich das Gewicht meist wieder.
Wie schnell wirkt die Behandlung?
Erste Besserungen können nach 2-4 Wochen auftreten, die volle Wirkung zeigt sich meist nach 6-8 Wochen. Bei manchen Menschen dauert es länger, bis sich alle Symptome bessern.
Kann man mit Hypothyreose abnehmen?
Bei guter Einstellung der Schilddrüsenfunktion ist Abnehmen durchaus möglich. Eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sind dabei genauso wichtig wie bei gesunden Menschen.
Ist Hypothyreose vererbbar?
Es gibt eine familiäre Häufung, besonders bei Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis. Wenn nahe Verwandte betroffen sind, sollten regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden.
Welcher Arzt ist zuständig?
Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt. Bei komplizierteren Fällen oder Einstellungsproblemen überweist er zum Endokrinologen (Hormonspezialisten).
Bezahlt die Krankenkasse die Behandlung?
Ja, die Behandlung einer diagnostizierten Schilddrüsenunterfunktion wird vollständig von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Warnsignale ernst nehmen
Konsultieren Sie umgehend einen Arzt bei:
- Anhaltender, extremer Müdigkeit
- Plötzlicher starker Gewichtszunahme
- Schweren Konzentrationsstörungen
- Depressiven Verstimmungen
- Herzrhythmusstörungen
- Starkem Haarausfall
Der richtige Ansprechpartner
- Hausarzt: Erste Diagnose und Grundbehandlung
- Endokrinologe: Bei komplizierteren Fällen
- Nuklearmediziner: Für spezielle Untersuchungen
Vorbereitung auf den Arztbesuch
- Symptome und deren Dauer notieren
- Medikamentenliste mitbringen
- Vorherige Befunde sammeln
- Familiengeschichte von Schilddrüsenerkrankungen erwähnen
Zusammenfassung und Fazit
Die Schilddrüsenunterfunktion ist eine häufige, aber sehr gut behandelbare Erkrankung. Mit der richtigen Diagnose und Therapie können Betroffene ein völlig normales und beschwerdefreies Leben führen. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Früherkennung ist wichtig: Bei anhaltenden, unerklärlichen Symptomen sollten die Schilddrüsenwerte untersucht werden
- Behandlung ist sehr erfolgreich: Mit der richtigen Hormontherapie verschwinden fast alle Symptome
- Regelmäßige Kontrollen nötig: Die Blutwerte sollten regelmäßig überwacht werden
- Normale Lebensqualität möglich: Sport, Beruf, Schwangerschaft – alles ist bei guter Einstellung möglich
- Lebenslange Behandlung: In den meisten Fällen ist eine dauerhafte Therapie erforderlich
Zögern Sie nicht, bei verdächtigen Symptomen einen Arzt aufzusuchen. Eine Hypothyreose zu erkennen und zu behandeln, kann Ihre Lebensqualität erheblich verbessern. Mit der richtigen Therapie steht einem aktiven und gesunden Leben nichts im Wege.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt nicht die professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Fragen immer an einen qualifizierten Arzt.
Fuente de referencia:
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
- Schilddrüsen-Liga Deutschland e.V.
- Robert Koch-Institut (RKI) – Gesundheitsberichterstattung
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
- Pschyrembel Online – Medizinisches Wörterbuch
Wichtiger medizinischer Hinweis
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