Nierenversagen: Ursachen, Symptome, Stadien und Behandlung
Nierenversagen, auch als Niereninsuffizienz bezeichnet, ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, bei der eine oder beide Nieren ihre normale Funktion verlieren. In Deutschland sind etwa 9,6 Millionen Menschen von einer chronischen Nierenerkrankung betroffen, wobei viele Betroffene zunächst keine Symptome verspüren. Die Nieren spielen eine lebenswichtige Rolle in unserem Körper: Sie filtern täglich etwa 180 Liter Blut und entfernen Abfallstoffe und überschüssige Flüssigkeit.
Bei einem Nierenversagen ist diese Filterfunktion stark eingeschränkt oder vollständig ausgefallen. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen akutem und chronischem Nierenversagen. Während das akute Nierenversagen plötzlich auftritt und unter Umständen reversibel ist, entwickelt sich das chronische Nierenversagen schleichend über Jahre hinweg und führt zu irreversiblen Nierenschäden.
Was ist Nierenversagen?
Definition und Arten
Akutes Nierenversagen (ANV) tritt plötzlich auf, oft innerhalb von Stunden oder Tagen. Die Nierenfunktion verschlechtert sich rapide, was zu einer schnellen Ansammlung von Abfallstoffen und Flüssigkeit im Körper führt. Das Positive: Bei rechtzeitiger Behandlung kann sich die Nierenfunktion wieder vollständig erholen.
Chronisches Nierenversagen (CNI) oder chronische Niereninsuffizienz entwickelt sich über Monate oder Jahre hinweg. Die Nierenschäden sind in der Regel irreversibel und schreiten ohne Behandlung fort. Diese Form ist weitaus häufiger als das akute Nierenversagen und betrifft in Deutschland etwa 8-10% der Bevölkerung.
Funktion der gesunden Nieren
Gesunde Nieren erfüllen mehrere lebenswichtige Funktionen:
- Filterung von Abfallstoffen: Entfernung von Harnstoff, Kreatinin und anderen toxischen Substanzen aus dem Blut
- Regulierung des Flüssigkeitshaushalts: Kontrolle der Wassermengen im Körper
- Hormonproduktion: Bildung von Erythropoetin (für die Blutbildung) und Renin (für die Blutdruckregulation)
- Elektrolytbalance: Aufrechterhaltung des Gleichgewichts von Natrium, Kalium, Phosphat und anderen Mineralstoffen
Ursachen von Nierenversagen
Hauptursachen chronisches Nierenversagen
Die häufigsten Ursachen für chronisches Nierenversagen sind:
Diabetes mellitus ist die Hauptursache für Nierenversagen weltweit. Etwa 40% aller dialysepflichtigen Patienten leiden an diabetischer Nephropathie. Hohe Blutzuckerwerte schädigen über Jahre hinweg die feinen Blutgefäße in den Nieren.
Bluthochdruck (Hypertonie) ist die zweithäufigste Ursache. Dauerhaft erhöhter Blutdruck schädigt die Nierengefäße und vermindert die Durchblutung der Nieren. Gleichzeitig können Nierenschäden auch zu Bluthochdruck führen – ein Teufelskreis.
Weitere wichtige Ursachen sind:
- Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen)
- Polyzystische Nierenerkrankung (angeborene Erkrankung mit Zystenbildung)
- Chronische Harnwegsinfekte und Harnwegsobstruktionen
- Langfristiger Missbrauch bestimmter Medikamente
- Autoimmunerkrankungen wie Lupus
Ursachen akutes Nierenversagen
Akutes Nierenversagen kann verschiedene Ursachen haben:
- Schwerer Blutdruckabfall (Schock)
- Starke Dehydration
- Sepsis (Blutvergiftung)
- Akute Nierenschäden durch Medikamente oder Toxine
- Blockierung der Harnwege durch Nierensteine oder Tumore
- Schwere Herzinsuffizienz
Risikofaktoren
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko für Nierenversagen:
- Alter über 60 Jahre
- Familiengeschichte von Nierenerkrankungen
- Übergewicht und Adipositas
- Rauchen
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Wiederholte Harnwegsinfekte
Stadien des chronischen Nierenversagens
Die 5 Stadien der Niereninsuffizienz
Die chronische Niereninsuffizienz wird in fünf Stadien eingeteilt, basierend auf der glomerulären Filtrationsrate (GFR):
Stadium 1: GFR ≥90 ml/min – Normale oder erhöhte Nierenfunktion, aber Anzeichen von Nierenschäden (z.B. Protein im Urin)
Stadium 2: GFR 60-89 ml/min – Leichte Einschränkung der Nierenfunktion mit Nachweis von Nierenschäden
Stadium 3a: GFR 45-59 ml/min – Moderate Einschränkung der Nierenfunktion
Stadium 3b: GFR 30-44 ml/min – Moderate bis schwere Einschränkung
Stadium 4: GFR 15-29 ml/min – Schwere Einschränkung der Nierenfunktion
Stadium 5: GFR <15 ml/min - Nierenversagen (terminale Niereninsuffizienz)
GFR-Wert erklärt
Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) gibt an, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern können. Sie wird in Millilitern pro Minute (ml/min) gemessen und anhand des Kreatinin-Wertes im Blut berechnet. Ein normaler GFR-Wert liegt bei gesunden jungen Erwachsenen bei etwa 120 ml/min.
Symptome von Nierenversagen
Frühe Symptome (oft unspezifisch)
In den frühen Stadien der Niereninsuffizienz treten oft keine oder nur unspezifische Symptome auf:
- Müdigkeit und allgemeine Schwäche
- Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit
- Appetitlosigkeit
- Schlafstörungen
- Juckreiz, besonders nachts
- Leichte Übelkeit
Fortgeschrittene Symptome
Mit fortschreitendem Nierenversagen werden die Symptome deutlicher:
Veränderte Harnfrequenz:
- Vermehrtes Wasserlassen, besonders nachts (Nykturie)
- Verringertes Wasserlassen
- Schaumiger Urin (Hinweis auf Protein im Urin)
- Blutiger oder bräunlich verfärbter Urin
Schwellungen (Ödeme):
- Schwellungen um die Augen (besonders morgens)
- Geschwollene Hände und Füße
- Knöchel- und Unterschenkelschwellungen
Weitere fortgeschrittene Symptome:
- Anhaltende Übelkeit und Erbrechen
- Atemnot, besonders bei Anstrengung
- Hoher Blutdruck
- Brustschmerzen
- Muskelkrämpfe und Zuckungen
- Metallischer Geschmack im Mund
- Blasse Haut
Diagnose von Nierenschäden
Untersuchungsmethoden
Die Diagnose von Nierenschäden erfolgt durch verschiedene Untersuchungen:
Blutuntersuchungen:
- Kreatinin-Wert: Wichtigster Marker für die Nierenfunktion
- Harnstoff: Weiterer Indikator für die Filterleistung
- GFR-Berechnung: Schätzung der Nierenfunktion
- Elektrolyte (Natrium, Kalium, Phosphat)
Urinuntersuchungen:
- Protein im Urin (Proteinurie)
- Blut im Urin (Hämaturie)
- Sediment-Untersuchung
- 24-Stunden-Sammelurin
Bildgebende Verfahren:
- Ultraschalluntersuchung der Nieren
- Computertomographie (CT)
- Magnetresonanztomographie (MRT)
In seltenen Fällen ist eine Nierenbiopsie notwendig, um die genaue Ursache der Nierenschädigung zu bestimmen.
Wann zum Arzt?
Bei folgenden Warnsignalen sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen:
- Starke Schwellungen im Gesicht, an Händen oder Füßen
- Blut im Urin
- Deutlich veränderte Urinmenge
- Anhaltende Übelkeit und Erbrechen
- Atemnot
- Starke Müdigkeit und Schwäche
Behandlung von Nierenversagen
Behandlung frühe Stadien
In den frühen Stadien der Niereninsuffizienz steht die Verlangsamung des Krankheitsverlaufs im Vordergrund:
Behandlung der Grunderkrankung:
- Optimale Einstellung des Diabetes
- Senkung des Blutdrucks auf Zielwerte unter 140/90 mmHg
- Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Lebensstiländerungen:
- Ernährungsumstellung (siehe Abschnitt Ernährung)
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Rauchstopp
- Regelmäßige körperliche Aktivität
- Stressreduktion
Medikamentöse Therapie: Die Behandlung mit Medikamenten sollte immer unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Ihr Arzt wird individuell entscheiden, welche Therapie für Sie geeignet ist. Niemals sollten Sie Medikamente ohne Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt einnehmen oder absetzen.
Dialyse
Ab Stadium 5 oder bei lebensbedrohlichen Komplikationen wird meist eine Dialyse notwendig. Es gibt zwei Hauptformen:
Hämodialyse:
Bei der Hämodialyse wird das Blut außerhalb des Körpers in einem Dialysegerät gereinigt. Die Behandlung erfolgt normalerweise dreimal wöchentlich für jeweils 4-5 Stunden in einem Dialysezentrum oder zu Hause.
Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse):
Hierbei wird das Bauchfell als natürliche Membran zur Blutreinigung genutzt. Eine spezielle Lösung wird über einen dauerhaft implantierten Katheter in den Bauchraum eingebracht und nach einigen Stunden wieder entfernt.
Leben mit Dialyse:
Viele Dialysepatienten führen ein weitgehend normales Leben. Wichtig sind die Einhaltung des Behandlungsplans, eine angepasste Ernährung und regelmäßige ärztliche Kontrollen.
Nierentransplantation
Die Nierentransplantation ist oft die beste Behandlungsoption für Patienten mit terminalem Nierenversagen. Eine erfolgreiche Transplantation bietet die beste Lebensqualität und Lebenserwartung.
Voraussetzungen:
- Gute allgemeine Gesundheit trotz Nierenversagen
- Keine schweren Begleiterkrankungen
- Psychische Stabilität
- Bereitschaft zur lebenslangen Nachsorge
Arten der Nierenspende:
- Lebendspende von verwandten oder nicht-verwandten Spendern
- Postmortale Spende von verstorbenen Spendern
Nach einer Transplantation ist eine lebenslange immunsuppressive Therapie notwendig, um eine Abstoßung zu verhindern. Die Behandlung erfolgt ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht.
Ernährung bei Niereninsuffizienz
Nierendiät – Allgemeine Prinzipien
Eine angepasste Ernährung kann den Verlauf einer Niereninsuffizienz positiv beeinflussen:
Eiweißreduzierte Kost: Bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz wird oft eine Reduktion der Eiweißzufuhr empfohlen, um die Nieren zu entlasten.
Kalium-Kontrolle: Hohe Kaliumspiegel können bei Nierenversagen gefährlich werden. Kaliumreiche Lebensmittel sollten begrenzt werden.
Phosphat-Reduktion: Phosphatreiche Lebensmittel belasten die Nieren zusätzlich und sollten eingeschränkt werden.
Salz-Einschränkung: Eine salzarme Ernährung hilft bei der Blutdruckkontrolle und reduziert Wassereinlagerungen.
Flüssigkeitsbilanzierung: In fortgeschrittenen Stadien kann eine Flüssigkeitsbeschränkung notwendig werden.
Empfohlene und zu meidende Lebensmittel
Empfohlen:
- Weißbrot, Nudeln, Reis
- Äpfel, Birnen, Beeren
- Gurken, Salat, Paprika
- Mageres Fleisch und Fisch in Maßen
- Pflanzliche Öle
Zu begrenzen:
- Vollkornprodukte
- Bananen, Trockenfrüchte
- Tomaten, Kartoffeln
- Nüsse und Samen
- Milchprodukte
- Fertigprodukte
Prävention von Nierenschäden
Vorbeugende Maßnahmen
Viele Fälle von Nierenversagen lassen sich durch präventive Maßnahmen verhindern oder verzögern:
- Regelmäßige Gesundheitschecks: Blut- und Urinuntersuchungen können frühe Anzeichen von Nierenschäden aufdecken
- Blutdruck- und Blutzuckerkontrolle: Optimale Einstellung dieser Werte ist entscheidend
- Ausreichend Flüssigkeit: 2-3 Liter Wasser täglich unterstützen die Nierenfunktion
- Gesunde Ernährung: Salzarm, ausgewogen und reich an Obst und Gemüse
- Regelmäßige Bewegung: 30 Minuten moderate Aktivität täglich
- Vermeidung schädlicher Substanzen: Vorsicht bei nephrotoxischen Medikamenten und Drogen
Früherkennung
Besonders wichtig ist die Früherkennung bei Risikogruppen:
- Diabetiker: Jährliche Kontrolle von Nierenwerten
- Bluthochdruckpatienten: Regelmäßige Überwachung
- Familienanamnese: Frühere und häufigere Kontrollen
Leben mit Nierenversagen
Alltag und Lebensqualität
Ein Leben mit Nierenversagen erfordert Anpassungen, aber viele Patienten führen ein erfülltes Leben:
Berufstätigkeit: Viele Patienten können weiter arbeiten, eventuell mit angepassten Arbeitszeiten bei Dialysepatienten.
Reisen: Mit guter Planung sind Reisen auch mit Dialyse möglich. Viele Urlaubsregionen bieten Dialysezentren.
Sport und Bewegung: Angepasste körperliche Aktivität ist wichtig und möglich. Der behandelnde Arzt berät individuell.
Soziale Unterstützung
In Deutschland gibt es zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten:
- Selbsthilfegruppen in allen größeren Städten
- Bundesverband Niere e.V. als zentrale Patientenorganisation
- Psychologische Beratung und Betreuung
- Sozialberatung in Dialysezentren
Rechtliche Aspekte
Patienten mit Nierenversagen haben Anspruch auf verschiedene Unterstützungen:
- Schwerbehindertenausweis ab einem bestimmten Grad der Behinderung
- Erwerbsminderungsrente bei entsprechender Einschränkung
- Pflegegrad bei Bedarf an pflegerischer Unterstützung
Häufig gestellte Fragen
Ist Nierenversagen heilbar?
Akutes Nierenversagen kann bei rechtzeitiger Behandlung vollständig ausheilen. Chronisches Nierenversagen ist nicht heilbar, aber der Verlauf kann verlangsamt werden. Eine Nierentransplantation kann die Nierenfunktion ersetzen.
Wie lange kann man mit Niereninsuffizienz leben?
Die Lebenserwartung hängt vom Stadium, der Grunderkrankung und der Behandlung ab. Mit moderner Behandlung können viele Patienten jahrzehntelang leben.
Kann man mit einer Niere normal leben?
Ja, eine gesunde Niere kann die Funktion vollständig übernehmen. Spender von Lebendnieren haben eine normale Lebenserwartung.
Wie schnell schreitet chronisches Nierenversagen fort?
Das ist sehr individuell. Bei guter Behandlung kann der Verlauf über Jahre stabil bleiben oder sich nur langsam verschlechtern.
Was sind die ersten Anzeichen von Nierenproblemen?
Frühe Anzeichen sind oft unspezifisch: Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, leichte Schwellungen und Veränderungen beim Wasserlassen.
Wie oft muss man zur Dialyse?
Bei der Hämodialyse normalerweise dreimal pro Woche für 4-5 Stunden. Die Peritonealdialyse erfolgt täglich zu Hause.
Fazit
Nierenversagen ist eine ernste Erkrankung, die das Leben stark beeinträchtigen kann. Die Früherkennung spielt eine entscheidende Rolle, da in den ersten Stadien der Niereninsuffizienz der Verlauf noch positiv beeinflusst werden kann. Moderne Behandlungsmethoden wie Dialyse und Nierentransplantation ermöglichen vielen Patienten ein weitgehend normales Leben.
Die Prävention von Nierenschäden durch eine gesunde Lebensweise, die Kontrolle von Diabetes und Bluthochdruck sowie regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind die besten Strategien gegen Nierenversagen. Wenn Sie Symptome bemerken oder zu einer Risikogruppe gehören, zögern Sie nicht, ärztlichen Rat einzuholen.
Das Leben mit chronischem Nierenversagen erfordert Anpassungen, aber mit der richtigen Behandlung, Unterstützung und einer positiven Einstellung können Betroffene weiterhin ein erfülltes Leben führen. Die kontinuierlichen Fortschritte in der Nephrologie geben Hoffnung auf noch bessere Behandlungsmöglichkeiten in der Zukunft.
Fuente de referencia:
- Bundesverband Niere e.V. – Patienteninformationen zu Nierenerkrankungen
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie – Medizinische Fachgesellschaft
- Robert Koch-Institut – Gesundheitsberichterstattung des Bundes
- AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- Nephro.de – Informationsportal für Nierenkranke
Wichtiger medizinischer Hinweis
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