Mycoplasma genitalium (Mgen) ist eine der häufigsten, aber oft übersehenen sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Da diese bakterielle Infektion in vielen Fällen symptomlos verläuft, bleibt sie oft unentdeckt und kann unbehandelt zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen führen. In Deutschland sind schätzungsweise 1-3% der sexuell aktiven Bevölkerung von dieser Infektion betroffen, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen könnte.
Diese umfassende Übersicht erklärt alles Wichtige über Mycoplasma genitalium: von den Ursachen und Übertragungswegen über die typischen Symptome bis hin zu modernen Behandlungsmethoden und wirksamen Präventionsmaßnahmen.
Was ist Mycoplasma Genitalium?
Mycoplasma genitalium ist ein sehr kleines Bakterium, das erstmals 1981 entdeckt wurde. Es gehört zur Familie der Mycoplasmen und unterscheidet sich von anderen Bakterien durch das Fehlen einer Zellwand. Diese Besonderheit macht es nicht nur schwieriger zu behandeln, sondern auch resistenter gegenüber bestimmten Antibiotika.
Das Bakterium ist deutlich kleiner als verwandte Erreger wie Chlamydien oder Gonokokken und kann daher oft in Standard-STI-Tests übersehen werden. Mgen bevorzugt die Schleimhäute des Urogenitaltrakts und kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen schwerwiegende Entzündungen verursachen.
Die Prävalenz von Mycoplasma genitalium variiert je nach Bevölkerungsgruppe und geografischer Region. In Deutschland zeigen Studien eine Verbreitung von etwa 1-5% in der allgemeinen Bevölkerung, mit höheren Raten in Risikogruppen wie jungen, sexuell aktiven Menschen.
Übertragungswege und Ursachen
Mycoplasma genitalium wird hauptsächlich durch ungeschützten sexuellen Kontakt übertragen. Die häufigsten Übertragungswege sind:
Vaginaler Geschlechtsverkehr: Dies ist der häufigste Übertragungsweg. Das Bakterium kann von infizierten Genitalsekreten auf die Schleimhäute des Partners übertragen werden.
Analer Geschlechtsverkehr: Auch über den Analverkehr kann eine Übertragung erfolgen, wobei sowohl der aktive als auch der passive Partner sich infizieren können.
Oraler Sex: Obwohl weniger häufig dokumentiert, ist eine Übertragung durch oralen Kontakt mit infizierten Genitalien möglich.
Wichtig zu wissen ist, dass Mgen nicht durch alltägliche Kontakte wie Händeschütteln, gemeinsame Toilettenbenutzung oder Küssen übertragen wird. Eine Übertragung von Mutter auf Kind während der Geburt ist theoretisch möglich, aber selten dokumentiert.
Besonders gefährdet sind Personen mit häufig wechselnden Sexualpartnern, junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren sowie Menschen, die bereits andere STIs haben oder hatten.
Mycoplasma Genitalium Symptome
Warum bleibt Mgen oft unerkannt?
Eine der größten Herausforderungen bei Mycoplasma genitalium ist, dass die Infektion häufig asymptomatisch verläuft. Studien zeigen, dass bis zu 95% der infizierten Frauen und 40-50% der infizierten Männer keine erkennbaren Symptome entwickeln. Dies führt dazu, dass die Infektion oft unbemerkt bleibt und unwissentlich an Sexualpartner übertragen wird.
Wenn Symptome auftreten, geschieht dies meist 1-3 Wochen nach der Infektion. Die Beschwerden können jedoch mild sein und mit anderen Erkrankungen verwechselt werden.
Symptome bei Frauen
Bei Frauen können folgende Symptome auftreten:
- Ungewöhnlicher vaginaler Ausfluss (oft dünn und wässrig)
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Unterleibsschmerzen oder Beckenschmerzen
- Zwischenblutungen außerhalb der Menstruation
- Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr
- Entzündung des Gebärmutterhalses
Symptome bei Männern
Bei Männern können sich folgende Beschwerden zeigen:
- Ausfluss aus der Harnröhre (meist klar oder weißlich)
- Brennen oder Stechen beim Wasserlassen
- Juckreiz oder Unbehagen in der Harnröhre
- Schmerzen oder Schwellungen im Hodenbereich
- Häufiger Harndrang
Symptome bei rektaler Infektion
Bei Infektionen des Enddarms können auftreten:
- Rektaler Ausfluss
- Schmerzen oder Brennen beim Stuhlgang
- Juckreiz im Analbereich
- Rektale Blutungen (selten)
Mögliche Komplikationen
Unbehandelt kann Mycoplasma genitalium zu schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen führen, besonders bei Frauen.
Komplikationen bei Frauen
Die schwerwiegendsten Folgen einer unbehandelten Mgen-Infektion bei Frauen sind:
Entzündliche Beckenerkrankung (PID): Eine aufsteigende Infektion kann zu einer Entzündung der Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke führen.
Unfruchtbarkeit: Vernarbungen in den Eileitern können zu Unfruchtbarkeit oder erhöhtem Risiko für Eileiterschwangerschaften führen.
Chronische Schmerzen: Langanhaltende Beckenschmerzen können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
Komplikationen bei Männern
Bei Männern sind die Komplikationen seltener, können aber umfassen:
- Chronische Harnröhrenentzündung
- Entzündung der Nebenhoden
- Mögliche Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit
- In seltenen Fällen reaktive Arthritis
Weitere Risiken
Eine Mgen-Infektion kann das Risiko für andere sexuell übertragbare Infektionen, einschließlich HIV, erhöhen. Bei schwangeren Frauen kann die Infektion zu Frühgeburten oder anderen Schwangerschaftskomplikationen führen.
Diagnose von Mycoplasma Genitalium
Die Diagnose von Mycoplasma genitalium erfordert spezielle Labortests, da das Bakterium in herkömmlichen Kulturen nicht wächst.
Wann sollte getestet werden?
Ein Test auf Mgen sollte in folgenden Situationen erwogen werden:
- Bei typischen Symptomen einer Urogenitalinfektion
- Bei wiederholten Harnwegsinfekten unklarer Ursache
- Bei Verdacht auf PID
- Bei anderen diagnostizierten STIs
- Bei sexuell aktiven Personen mit Risikofaktoren
Testmethoden
Der Goldstandard für die Mgen-Diagnose ist der NAAT (Nucleic Acid Amplification Test), meist in Form einer PCR-Untersuchung. Diese Tests können das genetische Material des Bakteriums auch in sehr geringen Mengen nachweisen.
Als Probenmaterial können verwendet werden:
- Erster Morgenurin (besonders bei Männern)
- Vaginalabstrich oder Selbstabstrich
- Zervikalabstrich
- Urethraler Abstrich
- Rektaler Abstrich bei entsprechender Indikation
Verfügbarkeit und Kosten
Tests auf Mycoplasma genitalium sind bei Hausärzten, Gynäkologen, Urologen und in spezialisierten STI-Zentren verfügbar. Die Kostenübernahme durch die Krankenkassen hängt von der medizinischen Indikation ab. Bei begründetem Verdacht werden die Kosten meist übernommen.
Behandlung von Mycoplasma Genitalium
Die Behandlung von Mycoplasma genitalium erfolgt mit Antibiotika, wobei die Therapie aufgrund zunehmender Resistenzen komplexer geworden ist.
Grundsätzliches zur Antibiotikatherapie
Da Mycoplasma genitalium keine Zellwand besitzt, sind nicht alle Antibiotika wirksam. Die Behandlung sollte immer nach ärztlicher Anweisung erfolgen und vollständig durchgeführt werden, auch wenn die Symptome früher abklingen.
Wichtiger Hinweis: Jede Antibiotikatherapie sollte ausschließlich nach ärztlicher Verschreibung und unter medizinischer Überwachung erfolgen. Selbstmedikation kann zu Resistenzentwicklung und Behandlungsversagen führen.
Herausforderung Antibiotikaresistenz
Ein zunehmendes Problem bei der Mgen-Behandlung sind Antibiotikaresistenzen. Das Bakterium entwickelt schnell Resistenzen gegen bestimmte Antibiotikaklassen, was die Behandlung erschwert. Daher können Resistenztests vor oder nach der Behandlung sinnvoll sein.
Behandlungserfolg und Nachsorge
Nach Abschluss der Antibiotikabehandlung sollte eine Kontrolluntersuchung (Test of Cure) durchgeführt werden, um sicherzustellen, dass die Infektion vollständig beseitigt wurde. Diese erfolgt meist 3-4 Wochen nach Behandlungsende.
Während der gesamten Behandlungsdauer und bis zum negativen Kontrolltest sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden, um eine Wiederansteckung oder Übertragung zu vermeiden.
Partnerbehandlung
Alle Sexualpartner der letzten 60 Tage vor Symptombeginn oder Diagnose sollten ebenfalls getestet und gegebenenfalls behandelt werden, auch wenn sie keine Symptome haben. Dies ist entscheidend, um eine Reinfektion zu verhindern.
Prävention und Schutz
Da es keine Impfung gegen Mycoplasma genitalium gibt, stehen Verhaltensmaßnahmen im Mittelpunkt der Prävention.
Kondombenutzung
Die konsequente Verwendung von Kondomen bei allen Formen des Geschlechtsverkehrs (vaginal, anal, oral) bietet den besten Schutz vor einer Mgen-Infektion. Latex- und Polyurethan-Kondome sind gleichermaßen wirksam.
Weitere Präventionsmaßnahmen
- Regelmäßige STI-Tests bei sexuell aktiven Personen
- Offene Kommunikation mit Sexualpartnern über STI-Status
- Begrenzung der Anzahl der Sexualpartner
- Verzicht auf Geschlechtsverkehr bei bestehenden Symptomen
- Gegenseitige Treue in monogamen Beziehungen
Empfohlene Testintervalle
Sexuell aktive Personen unter 25 Jahren sowie Personen mit erhöhtem Risiko sollten sich mindestens einmal jährlich auf STIs testen lassen. Bei häufig wechselnden Partnern können kürzere Intervalle sinnvoll sein.
Leben mit einer Mycoplasma Genitalium Infektion
Umgang mit der Diagnose
Eine Mgen-Diagnose kann emotional belastend sein. Wichtig ist zu wissen, dass STIs weit verbreitet sind und erfolgreich behandelt werden können. Scham oder Schuldgefühle sind unbegründet.
Gespräch mit dem Partner
Das Gespräch mit aktuellen und früheren Sexualpartnern über eine STI-Diagnose ist wichtig, aber oft schwierig. Ehrlichkeit und Offenheit schützen alle Beteiligten und ermöglichen eine rechtzeitige Behandlung.
Wann ist wieder Sex möglich?
Geschlechtsverkehr sollte erst nach vollständiger Behandlung und negativem Kontrolltest wieder aufgenommen werden. Dies schützt vor Wiederansteckung und Übertragung auf Partner.
Mycoplasma Genitalium im Vergleich zu anderen STIs
Ähnlichkeiten mit Chlamydien
Mgen und Chlamydien verursachen oft ähnliche Symptome und Komplikationen. Beide können asymptomatisch verlaufen und zu PID oder Unfruchtbarkeit führen. Die Behandlung unterscheidet sich jedoch, weshalb spezifische Tests wichtig sind.
Unterschiede zu Gonorrhö
Während Gonorrhö oft deutlichere Symptome verursacht, verläuft Mgen häufiger asymptomatisch. Die Resistenzprobleme sind bei beiden Erregern vorhanden, aber unterschiedlich ausgeprägt.
Koinfektionen
Gleichzeitige Infektionen mit mehreren STI-Erregern sind möglich und nicht selten. Daher sollten bei einer STI-Diagnose auch Tests auf andere Erreger durchgeführt werden.
Häufig gestellte Fragen
Ist Mycoplasma genitalium gefährlich?
Unbehandelt kann Mgen zu schwerwiegenden Komplikationen wie Unfruchtbarkeit führen. Mit rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose jedoch gut.
Kann Mgen von selbst verschwinden?
In seltenen Fällen kann eine Mgen-Infektion spontan abheilen, aber das ist nicht vorhersagbar. Eine aktive Behandlung ist empfehlenswert.
Wie lange bleibt man ansteckend?
Solange das Bakterium nachweisbar ist, besteht Ansteckungsgefahr. Nach erfolgreicher Behandlung ist man nicht mehr infektiös.
Kann man sich mehrfach anstecken?
Ja, eine durchgemachte Mgen-Infektion schützt nicht vor einer erneuten Ansteckung. Wiederinfektionen sind möglich.
Beeinflusst Mgen die Fruchtbarkeit?
Unbehandelt kann Mgen, besonders bei Frauen, zu Unfruchtbarkeit führen. Bei rechtzeitiger Behandlung ist das Risiko gering.
Ist Mgen während der Schwangerschaft gefährlich?
Mgen kann zu Schwangerschaftskomplikationen führen. Schwangere mit Verdacht auf eine Infektion sollten sich umgehend testen und behandeln lassen.
Wann zum Arzt?
Ein Arztbesuch ist empfehlenswert bei:
- Ungewöhnlichem Ausfluss aus Genitalien oder Anus
- Schmerzen beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr
- Unterleibsschmerzen unklarer Ursache
- Zwischenblutungen
- Nach ungeschütztem Sex mit neuen Partnern
- Bei Verdacht auf eine STI
Welcher Arzt ist zuständig?
Erste Anlaufstellen sind Hausärzte, Gynäkologen oder Urologen. Spezialisierte STI-Zentren bieten umfassende Beratung und Behandlung.
Bei akuten starken Beschwerden oder Verdacht auf Komplikationen sollte nicht gezögert werden, sofort ärztliche Hilfe zu suchen.
Fazit
Mycoplasma genitalium ist eine weit verbreitete, aber oft übersehene sexuell übertragbare Infektion. Die häufig symptomlose Verlaufsform macht sie besonders tückisch, da Betroffene unwissentlich andere anstecken können. Unbehandelt kann Mgen zu schwerwiegenden Komplikationen wie Unfruchtbarkeit führen.
Die gute Nachricht ist: Mgen ist bei rechtzeitiger Erkennung gut behandelbar. Regelmäßige STI-Tests, verantwortungsvoller Umgang mit der Sexualität und die konsequente Verwendung von Kondomen sind die besten Schutzmaßnahmen.
Wer sexuell aktiv ist, sollte sich regelmäßig testen lassen und bei Symptomen nicht zögern, ärztliche Hilfe zu suchen. Offene Kommunikation mit Sexualpartnern und die Bereitschaft zur Behandlung schützen nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die der Partner.
Die Aufklärung über Mgen und andere STIs ist ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge. Nur wer informiert ist, kann verantwortlich handeln und sich effektiv schützen.
Fuente de referencia:
- Robert Koch-Institut – Mycoplasma genitalium
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – STI
- AWMF-Leitlinie Sexuell übertragbare Infektionen
- World Health Organization – Sexually transmitted infections
- CDC – Mycoplasma genitalium Treatment Guidelines
Wichtiger medizinischer Hinweis
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