Die Laktatazidose stellt einen medizinischen Notfall dar, der durch eine gefährliche Ansammlung von Milchsäure im Blut entsteht. Diese Form der metabolischen Azidose kann lebensbedrohliche Folgen haben, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Bei einer Laktatazidose steigen die Laktatwerte im Blut deutlich über die normalen Grenzwerte an, was zu einer Übersäuerung des Körpers führt. In diesem umfassenden Artikel erfahren Sie alles Wichtige über die Symptome, Ursachen, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten dieser ernsthaften Erkrankung.
Was ist Laktat und wie entsteht Laktatazidose?
Laktat, auch als Milchsäure bezeichnet, ist ein natürliches Stoffwechselprodukt, das bei der Energiegewinnung in den Körperzellen entsteht. Unter normalen Umständen wird Laktat kontinuierlich produziert und von der Leber sowie den Nieren abgebaut. Problematisch wird es, wenn mehr Laktat produziert wird, als der Körper abbauen kann, oder wenn die Abbaukapazität eingeschränkt ist.
Eine Laktatazidose entwickelt sich, wenn die Laktatkonzentration im Blut auf über 5 mmol/L ansteigt und gleichzeitig der pH-Wert des Blutes unter 7,35 fällt. Dies führt zu einer gefährlichen Übersäuerung des Organismus, die verschiedene Körperfunktionen beeinträchtigt.
Metabolische Azidose und ihre Formen
Die metabolische Azidose ist eine Störung des Säure-Basen-Haushalts, bei der der Körper zu viel Säure produziert oder zu wenig Basen zur Verfügung hat. Der normale pH-Wert des Blutes liegt zwischen 7,35 und 7,45. Bei einer metabolischen Azidose sinkt dieser Wert unter 7,35 ab.
Die Laktatazidose ist eine spezielle Form der metabolischen Azidose und wird in zwei Haupttypen unterteilt:
- Typ-A-Laktatazidose: Entsteht durch Sauerstoffmangel im Gewebe
- Typ-B-Laktatazidose: Tritt ohne direkten Sauerstoffmangel auf
Normale Laktatwerte und kritische Grenzwerte
Die normalen Laktatwerte im Blut liegen in Ruhe bei 0,5 bis 2,2 mmol/L. Bei körperlicher Belastung können die Werte vorübergehend auf bis zu 20 mmol/L ansteigen, normalisieren sich aber schnell wieder.
Als kritische Grenzwerte für eine Laktatazidose gelten:
- Laktatwerte über 5 mmol/L
- pH-Wert unter 7,35
- Erniedrigtes Bikarbonat im Blut
Bei erhöhten Laktatwerten zwischen 2,5 und 5 mmol/L spricht man von einer Hyperlaktatämie, die noch nicht zwangsläufig mit einer Azidose einhergeht.
Ursachen der Laktatazidose
Typ-A-Laktatazidose (durch Sauerstoffmangel)
Die Typ-A-Laktatazidose entsteht durch einen Mangel an Sauerstoff im Gewebe (Hypoxie). Hauptursachen sind:
- Schockzustände: Septischer, kardiogener oder hypovolämischer Schock
- Herzinsuffizienz: Schwache Pumpleistung des Herzens
- Schwere Anämie: Zu wenig rote Blutkörperchen
- Lungenerkrankungen: Beeinträchtigter Sauerstoffaustausch
- Vergiftungen: Kohlenmonoxidvergiftung
- Kreislaufstillstand
Typ-B-Laktatazidose (ohne Sauerstoffmangel)
Bei der Typ-B-Laktatazidose liegt kein direkter Sauerstoffmangel vor. Häufige Ursachen sind:
Medikamentöse Ursachen:
- Bestimmte Diabetes-Medikamente
- Medikamente zur HIV-Behandlung
- Andere Arzneimittel (nur nach ärztlicher Rücksprache absetzen)
Organ-Erkrankungen:
- Leberinsuffizienz oder Leberzirrhose
- Niereninsuffizienz
- Eingeschränkte Laktat-Clearance
Stoffwechselerkrankungen:
- Diabetes mellitus
- Krebserkrankungen
- Mitochondriale Erkrankungen
Weitere Ursachen:
- Schwere Infektionen (Sepsis)
- Alkoholvergiftung
- Krampfanfälle
- Vitamin-B1-Mangel (Thiaminmangel)
Symptome der Laktatazidose erkennen
Die Symptome einer Laktatazidose entwickeln sich oft schleichend und können zunächst unspezifisch sein. Es ist wichtig, die verschiedenen Stadien zu kennen:
Frühe Symptome
- Übelkeit und Erbrechen
- Bauchschmerzen
- Appetitlosigkeit
- Allgemeines Unwohlsein
- Schwäche und anhaltende Müdigkeit
Fortgeschrittene Symptome
- Schnelle, tiefe Atmung (Kussmaul-Atmung)
- Hyperventilation
- Verwirrtheit und Bewusstseinsstörungen
- Muskelschmerzen und -krämpfe
- Niedriger Blutdruck
- Herzrhythmusstörungen
- Beschleunigter Herzschlag
Schwere, lebensbedrohliche Symptome
- Bewusstlosigkeit oder Koma
- Schockzustand
- Organversagen
- Unterkühlung (Hypothermie)
Diagnose der Laktatazidose
Die Diagnose einer Laktatazidose erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und Labordiagnostik:
Klinische Untersuchung
Der Arzt führt eine ausführliche Anamnese durch, bei der nach möglichen Auslösern gefragt wird, wie Medikamenteneinnahme, Vorerkrankungen oder kürzliche Infekte. Die körperliche Untersuchung umfasst die Kontrolle der Vitalzeichen und die Suche nach Hinweisen auf die Grunderkrankung.
Labordiagnostik
Die wichtigsten Laboruntersuchungen sind:
- Blutgasanalyse (BGA): Messung von pH-Wert, Bikarbonat und Base Excess
- Laktatmessung im Blut: Bestimmung der genauen Laktatkonzentration
- Anionenlücke: Berechnung zur Differenzierung verschiedener Azidoseformen
- Weitere Laborwerte: Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte, Blutzucker
Weiterführende Diagnostik
Je nach vermuteter Ursache können weitere Untersuchungen notwendig sein, wie bildgebende Verfahren oder ein EKG zur Beurteilung der Herzfunktion.
Behandlung der Laktatazidose
Die Behandlung einer Laktatazidose gehört in die Hände erfahrener Ärzte und erfolgt meist intensivmedizinisch. Wichtig: Eine Laktatazidose ist ein medizinischer Notfall, der sofortige ärztliche Behandlung erfordert. Jede Behandlung mit Medikamenten sollte ausschließlich nach ärztlicher Verordnung und unter medizinischer Überwachung erfolgen.
Akuttherapie und Notfallbehandlung
- Intensivmedizinische Überwachung
- Sicherung der Vitalfunktionen
- Sauerstoffgabe bei Bedarf
- Flüssigkeitsersatz durch Infusionen
Ursächliche Behandlung
Der wichtigste Behandlungsansatz ist die Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung:
- Behandlung von Schockzuständen
- Therapie von Infektionen
- Anpassung oder Absetzen auslösender Medikamente (nur nach ärztlicher Anweisung)
- Verbesserung der Gewebedurchblutung
Symptomatische Therapie
Bei schweren Fällen können zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein:
- Puffersubstanzen zur pH-Korrektur (nur in bestimmten Fällen)
- Dialyse oder andere Nierenersatzverfahren bei schwerem Verlauf
- Behandlung von Komplikationen
Spezielle Therapieansätze
Je nach Ursache können spezielle Behandlungen notwendig sein, wie die Gabe von Vitaminen bei Mangelerscheinungen oder spezielle Gegengifte bei Vergiftungen.
Prognose und Verlauf
Die Prognose einer Laktatazidose hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Schweregrad der Azidose
- Zugrunde liegende Erkrankung
- Zeitpunkt der Behandlung
- Alter und Allgemeinzustand des Patienten
- Ansprechen auf die Therapie
Eine frühzeitige Erkennung und Behandlung verbessern die Aussichten erheblich. Bei schweren Verläufen können jedoch dauerhafte Organschäden auftreten.
Prävention und Vorbeugung
Bestimmte Maßnahmen können helfen, das Risiko einer Laktatazidose zu reduzieren:
Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen bei Risikopatienten
- Überwachung der Laktatwerte bei gefährdeten Personen
- Anpassung von Medikamenten bei Nieren- oder Lebererkrankungen
Besondere Risikogruppen
Folgende Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko:
- Diabetiker unter bestimmten Medikamenten
- Patienten mit Nieren- oder Lebererkrankungen
- Menschen mit Herzinsuffizienz
- Patienten unter speziellen Therapien
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Rechtzeitiges Absetzen bestimmter Medikamente vor Operationen (nur nach ärztlicher Anweisung)
- Aufmerksame Beobachtung bei Infekten oder anderen Belastungen
Besondere Situationen
Medikamentös bedingte Laktatazidose
Bestimmte Medikamente können eine Laktatazidose auslösen. Besonders bekannt ist dies bei manchen Diabetes-Medikamenten, vor allem bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion. Die Symptome können schleichend auftreten und werden oft zunächst nicht mit der Medikation in Verbindung gebracht.
Laktatazidose bei Sepsis
Bei schweren Infektionen (Sepsis) kann eine Laktatazidose entstehen, die als Prognosemarker dient. Je höher die Laktatwerte, desto schlechter ist oft die Prognose. Die Behandlung konzentriert sich auf die aggressive Behandlung der Infektion und die Stabilisierung des Kreislaufs.
Sport und erhöhte Laktatwerte
Bei intensiver körperlicher Belastung steigen die Laktatwerte physiologisch an. Dies ist normal und führt normalerweise nicht zu einer Azidose, da die Werte nach der Belastung schnell wieder abfallen. Nur in extremen Situationen oder bei Vorerkrankungen kann es problematisch werden.
Häufig gestellte Fragen zur Laktatazidose
Wie schnell entwickelt sich eine Laktatazidose?
Die Entwicklung kann sehr unterschiedlich verlaufen – von wenigen Stunden bei akuten Ursachen bis zu Tagen oder Wochen bei schleichenden Verläufen.
Kann eine Laktatazidose von selbst heilen?
Eine echte Laktatazidose heilt nicht von selbst und erfordert immer medizinische Behandlung. Nur leichte Erhöhungen der Laktatwerte können sich spontan normalisieren.
Ist Laktatazidose ansteckend?
Nein, eine Laktatazidose selbst ist nicht ansteckend. Allerdings können die auslösenden Infektionen übertragbar sein.
Was ist der Unterschied zur Ketoazidose?
Bei der Ketoazidose entstehen andere Säuren (Ketonkörper), meist bei Diabetes. Die Laktatazidose wird durch Milchsäure verursacht.
Muss man bei Laktatazidose ins Krankenhaus?
Ja, eine Laktatazidose ist immer ein Grund für eine sofortige Krankenhauseinweisung, da sie lebensbedrohlich sein kann.
Zusammenfassung
Die Laktatazidose ist eine ernste Form der metabolischen Azidose, die durch erhöhte Laktatwerte und eine Übersäuerung des Blutes charakterisiert ist. Die Ansammlung von Milchsäure im Blut kann verschiedene Ursachen haben, von Sauerstoffmangel bis hin zu Medikamenten oder Organerkrankungen.
Wichtige Punkte im Überblick:
- Normale Laktatwerte liegen unter 2,2 mmol/L
- Eine Laktatazidose besteht bei Werten über 5 mmol/L und pH unter 7,35
- Frühe Symptome sind oft unspezifisch (Übelkeit, Schwäche)
- Fortgeschrittene Symptome umfassen Atemstörungen und Bewusstseinsstörungen
- Die Behandlung gehört in erfahrene ärztliche Hände
- Eine frühzeitige Therapie verbessert die Prognose erheblich
Wann zum Arzt? Bei Verdacht auf eine Laktatazidose, insbesondere bei Risikopatienten mit entsprechenden Symptomen, sollte sofort medizinische Hilfe gesucht werden. Dies gilt besonders für Menschen mit Diabetes, Nieren- oder Lebererkrankungen sowie bei der Einnahme bestimmter Medikamente.
Denken Sie daran: Jede medikamentöse Behandlung sollte ausschließlich nach ärztlicher Verordnung und unter medizinischer Überwachung erfolgen. Bei Fragen zu Medikamenten oder Behandlungen konsultieren Sie immer Ihren Arzt oder Apotheker.
Fuente de referencia:
- AMBOSS Medizinwissen für Ärzte
- Deutsches Ärzteblatt
- Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
- Robert Koch-Institut
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