Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung (CPTSD) ist eine schwerwiegende psychische Erkrankung, die durch wiederholte oder langanhaltende Traumata entsteht. Im Gegensatz zur klassischen PTBS entwickelt sich die komplexe PTBS durch chronische Traumatisierungen, die oft bereits in der Kindheit beginnen. In Deutschland sind schätzungsweise 1-3% der Bevölkerung von einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung betroffen, wobei die Dunkelziffer deutlich höher liegen könnte. Dieser Artikel erklärt umfassend, was CPTSD ist, wie sie entsteht, welche Symptome auftreten und welche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Was ist komplexe PTBS?
Definition und Abgrenzung
Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung wurde 2018 als eigenständige Diagnose in die ICD-11 aufgenommen. Sie unterscheidet sich von der klassischen PTBS durch zusätzliche Symptomkomplexe, die aus chronischen oder wiederholten Traumatisierungen resultieren. Während eine herkömmliche PTBS meist durch ein einzelnes traumatisches Ereignis ausgelöst wird, entsteht CPTSD durch langanhaltende traumatische Erfahrungen, besonders in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Der Begriff „komplex“ bezieht sich auf die vielschichtigen Auswirkungen chronischer Traumata auf die Persönlichkeitsentwicklung und die zwischenmenschlichen Beziehungen. Diese Form der Traumatisierung betrifft nicht nur das Erleben des traumatischen Ereignisses selbst, sondern auch die grundlegende Entwicklung der Persönlichkeit und die Fähigkeit zur Emotionsregulation.
CPTSD vs. PTBS: Die wichtigsten Unterschiede
Die Unterschiede zwischen komplexer PTBS und klassischer PTBS sind deutlich erkennbar:
Art der Traumata: Während PTBS durch einmalige oder kurzzeitige traumatische Ereignisse entsteht, entwickelt sich CPTSD durch chronische, oft über Jahre andauernde Traumatisierungen. Diese treten häufig in Beziehungen auf, in denen das Opfer gefangen oder abhängig ist.
Symptomspektrum: CPTSD umfasst alle Kernsymptome der klassischen PTBS, weist aber zusätzlich drei weitere Symptomgruppen auf: Störungen der Emotionsregulation, ein negatives Selbstbild und Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Behandlungsdauer: Die Therapie einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung ist meist langwieriger und erfordert oft einen phasenorientierten Ansatz, der zunächst auf Stabilisierung ausgerichtet ist, bevor die eigentliche Traumabearbeitung beginnen kann.
Ursachen: Wie entsteht komplexe PTBS?
Chronische Traumata als Hauptursache
CPTSD entsteht typischerweise durch wiederholte traumatische Erfahrungen, die oft bereits in der Kindheit beginnen. Die häufigsten Ursachen umfassen:
Langanhaltender Kindesmissbrauch: Körperlicher, sexueller oder emotionaler Missbrauch über längere Zeiträume, besonders wenn er von Bezugspersonen ausgeht, kann zur Entwicklung einer komplexen PTBS führen. Das Kind kann der Situation nicht entkommen und entwickelt komplexe Überlebensstrategien.
Schwere Vernachlässigung: Emotionale oder körperliche Vernachlässigung in den ersten Lebensjahren kann ebenso traumatisierend wirken wie aktiver Missbrauch. Kinder benötigen sichere Bindungen für eine gesunde Entwicklung.
Häusliche Gewalt: Das Miterleben oder direkte Erfahren häuslicher Gewalt über längere Zeiträume kann bei Kindern und Erwachsenen zu CPTSD führen. Besonders problematisch ist es, wenn der Gewalt nicht entkommen werden kann.
Extreme Situationen: Kriegsgefangenschaft, Menschenhandel, Zwangsprostitution oder andere Formen extremer Ausbeutung und Kontrolle können ebenfalls zu einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung führen.
Risikofaktoren
Verschiedene Faktoren erhöhen das Risiko, nach chronischen Traumata eine CPTSD zu entwickeln:
Frühe Traumatisierung: Je früher Traumata auftreten, desto größer ist das Risiko für komplexe PTBS-Symptome. Das sich entwickelnde Gehirn ist besonders vulnerabel für traumatische Erfahrungen.
Fehlende soziale Unterstützung: Menschen ohne stabile soziale Netzwerke oder Vertrauenspersonen haben ein höheres Risiko, nach Traumata psychische Erkrankungen zu entwickeln.
Mehrfache Traumatisierungen: Wiederholte traumatische Erfahrungen, besonders wenn sie in verschiedenen Lebensphasen auftreten, erhöhen das Risiko für CPTSD erheblich.
Bindungstrauma: Traumatische Erfahrungen mit Bezugspersonen sind besonders schwerwiegend, da sie das Grundvertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen erschüttern.
Neurobiologische Grundlagen
Chronische Traumata führen zu messbaren Veränderungen im Gehirn. Besonders betroffen sind Bereiche, die für Emotionsregulation, Gedächtnis und Stressverarbeitung zuständig sind. Das Stresssystem gerät aus dem Gleichgewicht, was zu einer dauerhaften Überaktivierung oder Unteraktivierung führen kann. Diese neurobiologischen Veränderungen erklären viele der komplexen PTBS-Symptome und unterstreichen die Notwendigkeit einer professionellen Behandlung.
Symptome der komplexen PTBS
Kernsymptome von CPTSD
Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung umfasst alle Symptome der klassischen PTBS plus drei zusätzliche Symptomkomplexe:
Klassische PTBS-Symptome:
- Wiedererlebens-Symptome wie Flashbacks und Albträume
- Vermeidung von traumabezogenen Auslösern
- Übererregung und erhöhte Wachsamkeit
- Negative Veränderungen in Denken und Stimmung
Zusätzliche komplexe Symptome:
- Schwere Störungen der Emotionsregulation
- Anhaltend negatives Selbstbild
- Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung von Beziehungen
Emotionale und psychische Symptome
Menschen mit CPTSD kämpfen oft mit intensiven und schwer kontrollierbaren Emotionen. Wutausbrüche wechseln sich mit Phasen emotionaler Taubheit ab. Viele Betroffene berichten von chronischen Scham- und Schuldgefühlen, die oft völlig unberechtigt sind. Dissoziative Symptome, bei denen sich Betroffene von sich selbst oder ihrer Umgebung „abgetrennt“ fühlen, sind ebenfalls häufig.
Das Gefühl innerer Leere und Hoffnungslosigkeit prägt oft den Alltag. Selbstverletzendes Verhalten oder Suizidgedanken können auftreten und erfordern sofortige professionelle Hilfe. Die emotionale Dysregulation macht es schwierig, stabile Beziehungen aufzubauen und zu erhalten.
Körperliche Symptome
Chronische Traumatisierungen wirken sich auch körperlich aus. Viele Betroffene leiden unter:
- Anhaltenden, oft unerklärlichen Schmerzen
- Schweren Schlafstörungen und Albträumen
- Chronischer Erschöpfung und Müdigkeit
- Magen-Darm-Beschwerden ohne erkennbare körperliche Ursache
- Kopfschmerzen und Spannungszuständen
- Immunschwäche und häufigen Infekten
Diese körperlichen Symptome entstehen durch die dauerhafte Aktivierung des Stresssystems und sollten ernst genommen werden, auch wenn sie psychischen Ursprungs sind.
Soziale und Beziehungssymptome
Besonders charakteristisch für CPTSD sind die Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen. Betroffene haben oft große Probleme, Vertrauen aufzubauen. Sie schwanken zwischen dem intensiven Wunsch nach Nähe und der Angst vor Verletzung. Dies kann zu einem Muster aus Nähe und Distanz führen, das Beziehungen stark belastet.
Viele Menschen mit komplexer PTBS isolieren sich sozial, um weitere Verletzungen zu vermeiden. Gleichzeitig sehnen sie sich nach Verständnis und Unterstützung. Diese widersprüchlichen Bedürfnisse machen sowohl intime als auch freundschaftliche Beziehungen zu einer Herausforderung.
Diagnose: Wie wird komplexe PTBS festgestellt?
Diagnostische Kriterien
Die Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung erfolgt nach den Kriterien der ICD-11. Ein Fachmann muss zunächst das Vorliegen der klassischen PTBS-Symptome feststellen und zusätzlich die drei charakteristischen Symptomgruppen der CPTSD identifizieren.
Wichtig ist dabei die Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen, die ähnliche Symptome aufweisen können. Die Diagnose erfordert eine ausführliche Anamnese und oft mehrere Gespräche, um ein vollständiges Bild zu erhalten.
Diagnostischer Prozess
Der Weg zur Diagnose beginnt meist mit einem ausführlichen Erstgespräch bei einem Facharzt für Psychiatrie oder einem psychologischen Psychotherapeuten. Dabei werden die aktuellen Beschwerden, die Lebensgeschichte und mögliche traumatische Erfahrungen besprochen.
Standardisierte Fragebögen und Tests können helfen, die Symptomatik zu erfassen und von anderen Erkrankungen abzugrenzen. Wichtig ist eine vertrauensvolle Atmosphäre, da es für Betroffene oft sehr schwierig ist, über traumatische Erfahrungen zu sprechen.
Der diagnostische Prozess sollte behutsam erfolgen, da bereits das Sprechen über traumatische Erlebnisse retraumatisierend wirken kann. Erfahrene Traumatherapeuten wissen um diese Risiken und gehen entsprechend vorsichtig vor.
Abgrenzung zu verwandten Störungen
CPTSD weist Überschneidungen mit verschiedenen anderen psychischen Erkrankungen auf, insbesondere mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung. Tatsächlich diskutieren Experten, ob es sich um verwandte oder sogar identische Erkrankungen handelt. Entscheidend für die Diagnose ist die klare Verbindung zu chronischen traumatischen Erfahrungen.
Auch Depressionen, Angststörungen und dissoziative Störungen können als Begleiterkrankungen auftreten oder müssen von CPTSD abgegrenzt werden. Eine sorgfältige Differenzialdiagnose ist daher unerlässlich.
Behandlung der komplexen PTBS
Überblick Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung erfordert einen multimodalen und oft langfristigen Ansatz. Anders als bei der klassischen PTBS steht nicht sofort die Traumabearbeitung im Vordergrund, sondern zunächst die Stabilisierung der Betroffenen.
Die Therapie erfolgt typischerweise in drei Phasen: Stabilisierung, Traumabearbeitung und Integration. Je nach Schweregrad und individuellen Bedürfnissen können verschiedene Therapieformen kombiniert werden. Eine frühzeitige Behandlung verbessert die Prognose erheblich.
Psychotherapie bei CPTSD
Traumafokussierte Therapieverfahren haben sich als besonders wirksam erwiesen:
EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist ein etabliertes Verfahren zur Traumabearbeitung, das auch bei komplexer PTBS eingesetzt wird. Allerdings meist erst nach einer ausreichenden Stabilisierungsphase.
Traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (TF-KVT) hilft dabei, traumabezogene Gedanken und Verhaltensweisen zu verändern. Sie wird oft mit stabilisierenden Elementen kombiniert.
Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) wurde ursprünglich für Borderline-Persönlichkeitsstörungen entwickelt und hat sich auch bei CPTSD bewährt. Sie vermittelt Fertigkeiten zur Emotionsregulation und für den Umgang mit zwischenmenschlichen Problemen.
STAIR (Skills Training in Affective and Interpersonal Regulation) ist speziell für komplexe Traumafolgestörungen entwickelt worden und kombiniert Fertigkeitstraining mit Traumabearbeitung.
Phasenorientierte Behandlung:
- Phase 1 – Stabilisierung: Aufbau von Sicherheit, Erlernen von Bewältigungsstrategien und Stabilisierung der Symptome
- Phase 2 – Traumabearbeitung: Verarbeitung der traumatischen Erfahrungen unter therapeutischer Begleitung
- Phase 3 – Integration: Integration der Erfahrungen in das Leben und Aufbau neuer Lebensperspektiven
Medikamentöse Behandlung
Medikamente können eine wichtige Rolle in der Behandlung der komplexen PTBS spielen, sollten aber immer in Kombination mit Psychotherapie eingesetzt werden. Vor der Einnahme jeglicher Medikamente ist eine ausführliche Beratung durch einen Facharzt unerlässlich.
Die medikamentöse Behandlung kann helfen, akute Symptome wie schwere Depressionen, Angstzustände oder Schlafstörungen zu lindern. Dies schafft oft erst die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Psychotherapie. Jede Medikation sollte individuell angepasst und regelmäßig überprüft werden.
Wichtig ist, dass Medikamente allein nicht ausreichen, um eine komplexe PTBS zu behandeln. Sie können aber wertvolle Unterstützung bieten und die Lebensqualität während der Therapie verbessern.
Ergänzende Therapieansätze
Verschiedene ergänzende Verfahren können die Behandlung sinnvoll unterstützen:
Körpertherapie und Somatic Experiencing berücksichtigen, dass Traumata auch im Körper gespeichert sind. Diese Verfahren helfen dabei, körperliche Spannungen zu lösen und die Selbstwahrnehmung zu verbessern.
Achtsamkeitsbasierte Verfahren wie MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) können helfen, den Umgang mit schwierigen Gefühlen zu verbessern und Dissoziationen zu reduzieren.
Kreative Therapieformen wie Kunst-, Musik- oder Bewegungstherapie ermöglichen es, Erfahrungen auszudrücken, für die es keine Worte gibt. Sie können besonders in der Stabilisierungsphase hilfreich sein.
Tiergestützte Therapie kann dabei helfen, Vertrauen aufzubauen und emotionale Regulation zu verbessern. Tiere bieten bedingungslose Akzeptanz und können als „Brücke“ zu zwischenmenschlichen Beziehungen dienen.
Selbsthilfe und Bewältigungsstrategien
Neben professioneller Hilfe können Betroffene selbst viel zur Heilung beitragen:
Techniken zur Emotionsregulation wie Atemübungen, Progressive Muskelentspannung oder das Führen eines Stimmungstagebuches können im Alltag hilfreich sein.
Grounding-Übungen helfen dabei, bei Flashbacks oder Dissoziationen wieder „im Hier und Jetzt“ anzukommen. Dies können Atemtechniken, das Benennen von Gegenständen im Raum oder körperliche Übungen sein.
Aufbau sozialer Unterstützung ist entscheidend für die Heilung. Dies kann schrittweise geschehen und sollte respektvolle, verständnisvolle Menschen einschließen.
Selbstfürsorge bedeutet, achtsam mit sich umzugehen und die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen. Dies beinhaltet auch das Setzen von Grenzen und das Vermeiden von Überforderung.
Leben mit komplexer PTBS
Alltag und Bewältigung
Das Leben mit CPTSD bringt täglich Herausforderungen mit sich, aber mit den richtigen Strategien ist ein erfüllteres Leben möglich. Eine strukturierte Tagesroutine kann Sicherheit vermitteln und helfen, das Gefühl der Kontrolle zurückzugewinnen.
Der Umgang mit Triggern erfordert Übung und Geduld. Ein persönlicher Krisenplan, der konkrete Schritte für schwierige Situationen enthält, kann dabei helfen, akute Symptome zu bewältigen. Dieser sollte Notfallkontakte, bewährte Bewältigungsstrategien und sichere Orte enthalten.
Berufliche Herausforderungen können durch Anpassungen am Arbeitsplatz gemildert werden. Der Schwerbehindertenausweis kann dabei helfen, notwendige Unterstützung zu erhalten.
Unterstützung für Angehörige
Familienmitglieder und Freunde von Menschen mit CPTSD stehen ebenfalls vor großen Herausforderungen. Wichtig ist es zu verstehen, dass die Symptome nicht gegen sie persönlich gerichtet sind, sondern Ausdruck der Traumafolgestörung.
Angehörige können helfen, indem sie Verständnis zeigen, Grenzen respektieren und ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig müssen sie auch auf ihre eigene psychische Gesundheit achten und bei Bedarf selbst Unterstützung suchen.
Eine offene, aber respektvolle Kommunikation ist wichtig. Angehörige sollten nicht versuchen, als Therapeuten zu fungieren, sondern vielmehr eine stabile, unterstützende Präsenz bieten.
Prognose und Heilungschancen
Obwohl CPTSD eine schwerwiegende Erkrankung ist, sind die Heilungschancen bei angemessener Behandlung durchaus gut. Vollständige Heilung ist möglich, auch wenn der Weg oft lang und herausfordernd ist.
Faktoren für eine erfolgreiche Behandlung sind: frühe Diagnose, Zugang zu qualifizierter Therapie, soziale Unterstützung, Motivation zur Veränderung und Geduld mit dem Heilungsprozess. Jeder Mensch ist anders, und Heilung verläuft individuell.
Viele Menschen mit CPTSD entwickeln durch ihre Erfahrungen besondere Stärken wie Empathie, Resilienz und ein tiefes Verständnis für menschliches Leiden. Diese Eigenschaften können, einmal die Traumata bearbeitet sind, zu besonderen Ressourcen werden.
Hilfe finden in Deutschland
Anlaufstellen und Ressourcen
In Deutschland stehen verschiedene Hilfsangebote für Menschen mit komplexer PTBS zur Verfügung:
Trauma-Ambulanzen gibt es in vielen größeren Städten. Sie bieten spezialisierte Diagnostik und Behandlung für Traumafolgestörungen an.
Spezialisierte Kliniken haben sich auf die Behandlung von PTBS und CPTSD spezialisiert. Eine stationäre Behandlung kann bei schweren Symptomen notwendig sein.
Kassenzulassung: Sowohl die psychotherapeutische als auch die medikamentöse Behandlung von CPTSD wird von den Krankenkassen übernommen. Wichtig ist eine entsprechende Diagnose durch einen Facharzt oder psychologischen Psychotherapeuten.
Notfallkontakte:
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (kostenfrei, rund um die Uhr)
- Nummer gegen Kummer: 116 123
- Bei akuter Suizidgefahr: Notruf 112
Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen können eine wertvolle Ergänzung zur professionellen Behandlung darstellen. Der Austausch mit anderen Betroffenen hilft dabei, sich weniger allein zu fühlen und von den Erfahrungen anderer zu lernen.
Viele Städte haben spezielle Selbsthilfegruppen für Traumabetroffene. Informationen dazu gibt es bei den örtlichen Selbsthilfezentren oder über die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen.
Auch Online-Communities können Unterstützung bieten, besonders für Menschen, die aufgrund ihrer Symptome das Haus schwer verlassen können.
Rechtliche Aspekte
Betroffene haben verschiedene rechtliche Ansprüche:
Opferentschädigung: Bei Traumatisierungen durch Gewalttaten besteht möglicherweise ein Anspruch auf Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz.
Schwerbehindertenausweis: Bei schweren Symptomen kann ein Schwerbehindertenausweis beantragt werden, der verschiedene Nachteilsausgleiche ermöglicht.
Erwerbsminderungsrente: Wenn die Erwerbsfähigkeit durch CPTSD dauerhaft eingeschränkt ist, besteht möglicherweise ein Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann man komplexe PTBS auch ohne Therapie überwinden?
Während manche Menschen bemerkenswerte Selbstheilungskräfte entwickeln, ist professionelle Hilfe bei CPTSD meist unerlässlich. Die Komplexität der Symptome erfordert spezielle therapeutische Kenntnisse.
Wie lange dauert die Behandlung von CPTSD?
Die Behandlungsdauer ist sehr individuell und kann von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren reichen. Wichtig ist, dass Heilung ein Prozess ist, der Zeit braucht.
Was ist der Unterschied zwischen Trauma und Stress?
Stress ist eine normale Reaktion auf Belastungen, während Trauma eine überwältigende Erfahrung ist, die die normalen Bewältigungsmechanismen überfordert und langfristige Auswirkungen haben kann.
Können Kinder auch komplexe PTBS entwickeln?
Ja, sogar besonders häufig, da sich ihr Gehirn noch entwickelt. Frühe Interventionen sind besonders wichtig für die Prognose.
Ist CPTSD das Gleiche wie Borderline?
Es gibt deutliche Überschneidungen, aber CPTSD ist eine eigenständige Diagnose, die sich spezifisch auf Traumafolgen bezieht.
Wie finde ich den richtigen Traumatherapeuten?
Wichtig sind Spezialisierung auf Traumatherapie, Erfahrung mit CPTSD und das subjektive Gefühl einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung.
Zahlt die Krankenkasse die Behandlung?
Ja, sowohl psychotherapeutische als auch medikamentöse Behandlung werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Kann CPTSD auch spät im Leben noch auftreten?
Ja, manchmal werden Symptome erst Jahre oder Jahrzehnte nach dem Trauma sichtbar, besonders wenn neue belastende Ereignisse auftreten.
Was tun bei akuten Flashbacks?
Grounding-Techniken helfen: Benennen Sie fünf Dinge, die Sie sehen, vier die Sie hören, drei die Sie riechen können. Atmen Sie bewusst und erinnern Sie sich daran, dass Sie jetzt sicher sind.
Fazit
Die komplexe posttraumatische Belastungsstörung ist eine schwerwiegende, aber behandelbare psychische Erkrankung. Sie entsteht durch chronische Traumatisierungen und unterscheidet sich von der klassischen PTBS durch zusätzliche Symptome in der Emotionsregulation, dem Selbstbild und den zwischenmenschlichen Beziehungen.
Die Diagnose erfordert spezielle Fachkenntnisse, und die Behandlung sollte phasenorientiert erfolgen, beginnend mit der Stabilisierung. Psychotherapie ist das Mittel der Wahl, kann aber sinnvoll durch Medikamente und ergänzende Verfahren unterstützt werden. Selbsthilfestrategien und soziale Unterstützung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Obwohl der Heilungsweg oft lang und herausfordernd ist, sind die Aussichten bei angemessener Behandlung gut. Viele Menschen mit CPTSD können ein erfülltes Leben führen und entwickeln durch ihre Erfahrungen besondere Stärken.
Wenn Sie den Verdacht haben, an einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung zu leiden, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe zu suchen. Trauma-Therapie ist heute so effektiv wie nie zuvor, und es ist nie zu spät, den Weg der Heilung zu beginnen.
Fuente de referencia:
- World Health Organization – ICD-11
- Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde
- Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie
- Bundesministerium für Gesundheit
- Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
Wichtiger medizinischer Hinweis
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Herausgeber: XIM., JSC | Zuletzt aktualisiert:
