Die dissoziative Identitätsstörung (DIS), früher als multiple Persönlichkeitsstörung bekannt, ist eine komplexe psychische Erkrankung, bei der eine Person zwei oder mehr unterschiedliche Persönlichkeitszustände entwickelt. Diese verschiedenen Identitäten können das Bewusstsein und Verhalten der betroffenen Person zu unterschiedlichen Zeiten kontrollieren. In Deutschland leiden schätzungsweise 0,5 bis 1,5 Prozent der Bevölkerung unter dieser seltenen, aber schwerwiegenden Störung. Das Verständnis für DIS ist entscheidend, um Betroffenen angemessene Hilfe und Behandlung zu ermöglichen.
Was ist eine dissoziative Identitätsstörung?
Definition und Grundlagen
Die dissoziative Identitätsstörung wird sowohl im ICD-11 als auch im DSM-5 als schwerwiegende psychische Erkrankung klassifiziert. Sie gehört zur Gruppe der dissoziativen Störungen und zeichnet sich durch die Existenz von zwei oder mehr unterschiedlichen Persönlichkeitszuständen aus, die abwechselnd die Kontrolle über das Bewusstsein und Verhalten der Person übernehmen. Diese Zustände, oft als „Alters“ bezeichnet, verfügen über eigene Erinnerungen, Verhaltensweisen und oft sogar verschiedene körperliche Charakteristika.
Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen dissoziativen Störungen: Während bei der dissoziativen Amnesie primär Gedächtnisverlust auftritt und bei der Depersonalisation/Derealisationsstörung Entfremdungsgefühle im Vordergrund stehen, ist DIS durch die deutliche Trennung verschiedener Persönlichkeitszustände charakterisiert.
Wie entsteht DIS?
Die dissoziative Identitätsstörung entwickelt sich typischerweise als Reaktion auf schwere traumatische Erlebnisse, insbesondere in der frühen Kindheit. Der Mechanismus der Dissoziation fungiert als psychologischer Schutzmechanismus, der es dem Kind ermöglicht, sich mental von unerträglichen Erfahrungen zu distanzieren. Wenn dieser Bewältigungsmechanismus wiederholt aktiviert wird, können sich separate Identitätszustände entwickeln, die verschiedene Aspekte der Persönlichkeit und der Erfahrungen „speichern“.
Das Dissoziationsmodell erklärt, wie das Bewusstsein als Überlebensstrategie fragmentiert wird. In kritischen Entwicklungsphasen, typischerweise vor dem 6. bis 9. Lebensjahr, kann diese Fragmentierung zu dauerhaften Veränderungen in der Persönlichkeitsstruktur führen.
Symptome der dissoziativen Identitätsstörung
Hauptsymptome von DIS
Die DIS-Symptome sind vielfältig und oft schwer zu erkennen. Das charakteristischste Merkmal ist die Existenz von zwei oder mehr deutlich unterschiedlichen Persönlichkeitszuständen. Diese Identitäten können unterschiedliche Namen, Alter, Geschlechter, Stimmen und Verhaltensweisen haben.
Gedächtnislücken und Amnesie sind weitere zentrale Symptome. Betroffene erleben regelmäßig Zeitverlust, bei dem sie sich nicht daran erinnern können, was in bestimmten Zeiträumen geschehen ist. Diese Lücken können von Minuten bis zu Tagen oder sogar länger dauern. Der Persönlichkeitswechsel, auch „Switching“ genannt, kann plötzlich auftreten und wird oft durch Stress oder bestimmte Auslöser („Trigger“) verursacht.
Psychische DIS-Symptome
Viele Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung berichten über das Hören innerer Stimmen, die von den verschiedenen Identitäten stammen. Diese Stimmen können miteinander kommunizieren, kommentieren oder sich streiten. Depersonalisations- und Derealisationsgefühle sind ebenfalls häufig – Betroffene fühlen sich von sich selbst oder ihrer Umgebung entfremdet.
Identitätsverwirrung manifestiert sich als Unsicherheit über die eigene Persönlichkeit, Vorlieben oder Erinnerungen. Häufig treten auch Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und in schweren Fällen suizidale Gedanken auf. Diese psychischen Belastungen verstärken oft die dissoziativen Symptome und erschweren die Bewältigung des Alltags.
Körperliche Symptome
Die multiple Persönlichkeitsstörung äußert sich nicht nur psychisch, sondern kann auch verschiedene körperliche Symptome verursachen. Chronische Kopfschmerzen und Migräne sind häufig, ebenso wie körperliche Schmerzen ohne erkennbare medizinische Ursache. Besonders bemerkenswert sind die Veränderungen in Stimme, Körperhaltung und sogar Handschrift beim Wechsel zwischen verschiedenen Identitäten.
Verschiedene Alters können unterschiedlich auf Medikamente, Allergene oder körperliche Belastungen reagieren. Diese Unterschiede können so ausgeprägt sein, dass sie objektiv messbar sind und medizinisches Fachpersonal vor Herausforderungen stellen.
Verhaltensänderungen
Unerklärliche Verhaltensänderungen gehören zu den auffälligsten Symptomen der dissoziativen Störung. Betroffene finden sich plötzlich mit Gegenständen wieder, an deren Kauf sie sich nicht erinnern können, oder entdecken Fähigkeiten und Kenntnisse, die sie sich nicht erklären können. Die verschiedenen Identitäten können völlig unterschiedliche Interessen, Fähigkeiten und soziale Verhaltensweisen aufweisen.
Diese Symptome führen häufig zu erheblichen Beeinträchtigungen im sozialen und beruflichen Leben. Beziehungen werden belastet, da Partner und Freunde Schwierigkeiten haben, die wechselnden Verhaltensweisen zu verstehen und vorherzusagen.
Die verschiedenen Persönlichkeiten bei DIS
Wie viele Identitäten können existieren?
Die Anzahl der Persönlichkeitszustände bei einer multiplen Persönlichkeit variiert erheblich. Während manche Betroffene nur zwei oder drei verschiedene Identitäten haben, wurden in extremen Fällen über 100 verschiedene Alters dokumentiert. Im Durchschnitt liegt die Anzahl bei etwa 10-15 verschiedenen Identitäten.
Die Hauptpersönlichkeit, oft „Host“ genannt, ist diejenige, die am häufigsten das Bewusstsein kontrolliert und meist den Namen der Person trägt. Häufig existieren kindliche Identitäten, die traumatische Kindheitserfahrungen „halten“, sowie Beschützer-Identitäten, deren Rolle es ist, die Person vor weiteren Verletzungen zu bewahren.
Charakteristika der Teilidentitäten
Jede Teilidentität bei DIS kann einzigartige Charakteristika aufweisen. Sie haben oft eigene Namen, können verschiedenen Alters sein und sogar unterschiedliche Geschlechtsidentitäten haben. Die Erinnerungen, Fähigkeiten und emotionalen Zustände können stark variieren.
Das Ko-Bewusstsein, bei dem verschiedene Identitäten gleichzeitig bewusst sind und kommunizieren können, unterscheidet sich deutlich von Zuständen vollständiger Amnesie, bei denen eine Identität keinerlei Bewusstsein für die Aktivitäten der anderen hat. Diese Unterschiede beeinflussen sowohl die Symptome als auch die Behandlungsmöglichkeiten erheblich.
Ursachen der dissoziativen Identitätsstörung
Traumatische Erlebnisse
Die Hauptursache für die Entwicklung einer dissoziativen Identitätsstörung sind schwere traumatische Erlebnisse in der Kindheit. Körperlicher, sexueller und emotionaler Missbrauch stehen dabei im Vordergrund. Auch schwere Vernachlässigung, wiederholte Gewalt oder Bedrohungssituationen können zur Entwicklung von DIS beitragen.
Besonders kritisch sind Traumata, die in den ersten Lebensjahren auftreten, typischerweise vor dem 6. bis 9. Lebensjahr. In dieser Entwicklungsphase ist die Persönlichkeitsbildung noch nicht abgeschlossen, wodurch dissoziative Bewältigungsmechanismen leichter zu dauerhaften Strukturveränderungen führen können.
Risikofaktoren
Mehrere Faktoren erhöhen das Risiko für die Entwicklung einer multiplen Persönlichkeitsstörung. Das Fehlen sicherer Bindungspersonen in der Kindheit ist ein bedeutsamer Risikofaktor, da stabile Beziehungen normalerweise als Puffer gegen traumatische Erfahrungen fungieren. Chronischer Stress verstärkt die Neigung zur Dissoziation als Bewältigungsstrategie.
Eine genetische Disposition für dissoziative Reaktionen wird diskutiert, wobei manche Menschen möglicherweise eine höhere Neigung zur Dissoziation haben. Frühe und wiederholte Traumatisierung, besonders wenn sie von Bezugspersonen ausgeht, schafft die Bedingungen, unter denen sich dissoziative Störungen entwickeln können.
Neurobiologische Faktoren
Forschungen zeigen deutliche neurobiologische Veränderungen bei Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung. Besonders der Hippocampus, der für Gedächtnisbildung zuständig ist, und die Amygdala, die Zentrale für Angst und emotionale Verarbeitung, weisen Veränderungen auf. Diese Gehirnregionen sind besonders empfindlich gegenüber chronischem Stress und Traumata.
Die Regulation von Stresshormonen ist oft gestört, was zu anhaltenden neurobiologischen Veränderungen führt. Diese Erkenntnisse unterstreichen, dass DIS nicht nur eine psychologische, sondern auch eine neurobiologische Grundlage hat.
Diagnose der dissoziativen Identitätsstörung
Diagnostische Kriterien
Die Diagnose einer dissoziativen Identitätsstörung folgt klar definierten Kriterien des ICD-11 und DSM-5. Zentral ist das Vorhandensein von zwei oder mehr unterschiedlichen Persönlichkeitszuständen, die deutlich voneinander abgrenzbar sind und wiederholt die Kontrolle über das Bewusstsein übernehmen. Diese Zustände müssen mit Gedächtnislücken für alltägliche Ereignisse einhergehen, die nicht durch gewöhnliche Vergesslichkeit erklärbar sind.
Wichtig für die Diagnose ist auch, dass die Symptome nicht durch kulturelle oder religiöse Praktiken erklärt werden können und nicht auf Substanzkonsum oder andere medizinische Bedingungen zurückzuführen sind. Die Differentialdiagnose muss andere psychische Erkrankungen ausschließen, die ähnliche Symptome verursachen können.
Diagnostisches Verfahren
Die Diagnose von DIS erfordert eine ausführliche psychiatrische Anamnese durch speziell geschulte Fachkräfte. Strukturierte klinische Interviews sind essentiell, um die komplexen Symptome systematisch zu erfassen. Verschiedene diagnostische Fragebögen wie die Dissociative Experiences Scale (DES) oder das Strukturierte Klinische Interview für Dissoziative Störungen (SKID-D) unterstützen den Diagnoseprozess.
Ein wichtiger Teil der Diagnostik ist der Ausschluss anderer Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können. Dazu gehören neurologische Untersuchungen, um organische Ursachen auszuschließen, sowie die Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolaren Störungen.
Herausforderungen bei der Diagnose
Die Diagnose der dissoziativen Identitätsstörung ist oft mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Häufige Fehldiagnosen entstehen durch Überschneidungen mit anderen psychischen Erkrankungen. Viele Betroffene erhalten zunächst Diagnosen wie Depression, Angststörungen oder Persönlichkeitsstörungen, bevor DIS erkannt wird.
Die Zeit bis zur korrekten Diagnose beträgt oft mehrere Jahre, was für Betroffene eine zusätzliche Belastung darstellt. Dies unterstreicht die Wichtigkeit spezialisierter Fachkräfte, die mit dissoziativen Störungen vertraut sind und die subtilen Symptome erkennen können.
Behandlung der dissoziativen Identitätsstörung
Psychotherapie als Hauptbehandlung
Die Psychotherapie stellt die Grundlage der DIS-Behandlung dar. Traumafokussierte Psychotherapie hilft dabei, die zugrundeliegenden traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) unterstützt bei der Entwicklung gesunder Bewältigungsstrategien und der Verbesserung der Symptomkontrolle.
Die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) ist besonders hilfreich für die Regulation von Emotionen und den Umgang mit selbstverletzendem Verhalten. EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) kann bei der Verarbeitung traumatischer Erinnerungen unterstützen. Psychodynamische Therapieansätze helfen dabei, unbewusste Konflikte und die Entwicklungsgeschichte der Störung zu verstehen.
Behandlungsphasen
Phase 1: Stabilisierung
In der ersten Phase steht die Schaffung von Sicherheit im Vordergrund. Betroffene lernen, mit akuten Symptomen umzugehen und entwickeln Strategien zur Symptomkontrolle. Der Aufbau von Ressourcen und die Stärkung gesunder Bewältigungsmechanismen sind zentrale Ziele dieser Phase.
Phase 2: Traumabearbeitung
Die zweite Phase fokussiert auf die behutsame Verarbeitung traumatischer Erinnerungen. Die Arbeit mit verschiedenen Identitäten erfordert besondere therapeutische Fähigkeiten. Die Förderung der Kommunikation zwischen den Identitäten und die schrittweise Integration sind wichtige Behandlungsziele.
Phase 3: Integration und Rehabilitation
In der letzten Phase geht es um die Zusammenführung der verschiedenen Persönlichkeitsaspekte und die soziale Reintegration. Rückfallprävention und die Entwicklung eines stabilen Selbstbildes stehen im Vordergrund. Diese Phase kann sich über Jahre erstrecken und erfordert kontinuierliche therapeutische Begleitung.
Medikamentöse Unterstützung
Es gibt keine spezifischen Medikamente zur Behandlung der dissoziativen Identitätsstörung selbst. Medikamentöse Behandlung fokussiert auf die Linderung von Begleitsymptomen wie Depressionen, Angststörungen oder Schlafstörungen. Die Auswahl und Dosierung von Medikamenten muss individuell erfolgen und erfordert eine enge ärztliche Begleitung.
Wichtig ist, dass Betroffene vor der Einnahme jeglicher Medikamente immer einen Facharzt konsultieren sollten. Die verschiedenen Identitäten können unterschiedlich auf Medikamente reagieren, was die Behandlung komplex macht und medizinische Expertise erfordert.
Ergänzende Therapieansätze
Ergänzend zur Psychotherapie können verschiedene weitere Behandlungsansätze hilfreich sein. Kunsttherapie ermöglicht es verschiedenen Identitäten, sich kreativ auszudrücken und kann bei der Kommunikation zwischen den Alters helfen. Körpertherapeutische Ansätze unterstützen bei der Wiederverbindung mit körperlichen Empfindungen und können traumabedingte Körpersymptome lindern.
Achtsamkeitsbasierte Verfahren helfen bei der Entwicklung von Präsenz und Bewusstheit für den gegenwärtigen Moment. Gruppentherapie bietet die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen. Bei schweren Fällen können stationäre Klinikaufenthalte notwendig sein, um intensive Behandlung und Stabilisierung zu gewährleisten.
Prognose und Heilungschancen
Die Frage „Ist DIS heilbar?“ beschäftigt viele Betroffene und Angehörige. Während eine vollständige „Heilung“ im traditionellen Sinne selten ist, können mit angemessener Behandlung deutliche Verbesserungen erreicht werden. Erfolgreiche Behandlung führt oft zu einer besseren Integration der Persönlichkeitsaspekte und einer erheblichen Reduktion der Symptome.
Faktoren für erfolgreiche Behandlung umfassen frühe Diagnose, spezialisierte therapeutische Behandlung, soziale Unterstützung und die Motivation des Betroffenen zur aktiven Mitarbeit. Langfristige Perspektiven sind individuell sehr unterschiedlich – manche Menschen erreichen weitgehende Integration, während andere lernen, funktional mit ihrer Multiplizität zu leben.
Die Lebensqualität mit DIS kann durch angemessene Behandlung und Unterstützung erheblich verbessert werden. Wichtig ist die Akzeptanz, dass der Heilungsprozess Zeit benötigt und individuell verläuft.
Leben mit dissoziativer Identitätsstörung
Alltag mit DIS
Das Leben mit einer multiplen Persönlichkeitsstörung erfordert die Entwicklung spezifischer Bewältigungsstrategien. Der Umgang mit Persönlichkeitswechseln kann durch Entspannungstechniken, Achtsamkeitspraxis und die Identifikation von Auslösern verbessert werden. Die Kommunikation zwischen den verschiedenen Identitäten kann durch innere Dialoge oder schriftliche Kommunikation gefördert werden.
Das Führen eines Tagebuchs ist oft hilfreich, um Gedächtnislücken zu überbrücken und den verschiedenen Identitäten zu ermöglichen, Informationen zu teilen. Strukturierte Tagesabläufe und klare Routinen können Stabilität schaffen und das Funktionieren im Alltag erleichtern.
Soziale Beziehungen
Beziehungen zu Familie, Partnern und Freunden können durch DIS erheblich belastet werden. Offene Kommunikation über die Erkrankung und ihre Auswirkungen ist wichtig, erfordert aber Fingerspitzengefühl und Zeit. Nicht alle Menschen sind bereit oder in der Lage, mit der Komplexität von DIS umzugehen.
Im Berufsleben können Anpassungen notwendig sein, um mit Symptomen wie Gedächtnislücken oder plötzlichen Persönlichkeitswechseln umzugehen. Die Aufklärung des nahestehenden Umfelds kann hilfreich sein, sollte aber wohlüberlegt erfolgen, da Stigmatisierung leider noch häufig auftritt.
Selbsthilfe und Unterstützung
Selbsthilfegruppen bieten wertvolle Unterstützung und die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. In Deutschland gibt es sowohl lokale Gruppen als auch Online-Communities, die rund um die Uhr verfügbar sind. Diese Gemeinschaften können wichtige emotionale Unterstützung und praktische Tipps bieten.
Notfallstrategien für akute dissoziative Episoden sollten entwickelt und geübt werden. Skills für schwierige Situationen, wie Grounding-Techniken oder Notfallpläne, können helfen, kritische Momente zu bewältigen und die Sicherheit zu gewährleisten.
Unterstützung für Angehörige
Angehörige von Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung stehen vor besonderen Herausforderungen. Sie können helfen, indem sie Verständnis für die Komplexität der Erkrankung entwickeln und Geduld mit dem oft langwierigen Heilungsprozess aufbringen. Das Erlernen über DIS und seine Symptome ist ein wichtiger erster Schritt.
Gleichzeitig ist es wichtig, dass Angehörige ihre eigenen Grenzen erkennen und Selbstfürsorge betreiben. Die Unterstützung einer Person mit DIS kann emotional sehr belastend sein. Anlaufstellen für Angehörige, wie Beratungsstellen oder Angehörigengruppen, bieten wichtige Ressourcen und Unterstützung.
Mythen und Fakten über DIS
Häufige Missverständnisse über die dissoziative Identitätsstörung führen oft zu Stigmatisierung und erschweren Betroffenen das Leben. Die Darstellung von DIS in Filmen und Medien entspricht selten der Realität und verstärkt oft falsche Vorstellungen über die Erkrankung.
Wissenschaftliche Fakten zeigen, dass DIS eine ernsthafte und behandelbare psychische Erkrankung ist, die auf realen traumatischen Erfahrungen basiert. Menschen mit DIS sind nicht gefährlich oder unberechenbar, sondern benötigen Verständnis und angemessene Behandlung. Der Kampf gegen Stigmatisierung erfordert Aufklärung und ein besseres öffentliches Verständnis der Erkrankung.
Hilfe und Anlaufstellen in Deutschland
In Deutschland gibt es verschiedene spezialisierte Kliniken und Therapeuten, die Erfahrung mit dissoziativen Störungen haben. Traumaambulanzen bieten schnelle Hilfe bei akuten Krisen und können erste Anlaufstellen sein. Die Suche nach spezialisierten Behandlern kann Zeit in Anspruch nehmen, ist aber entscheidend für eine erfolgreiche Therapie.
Notfallnummern wie die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) und lokale Krisendienste stehen rund um die Uhr zur Verfügung. Organisationen wie die Internationale Gesellschaft für das Studium von Trauma und Dissoziation bieten Informationen und Ressourcen. Online-Ressourcen und spezialisierte Websites können zusätzliche Unterstützung und Informationen bieten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie viele Menschen haben DIS in Deutschland?
Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 0,5 bis 1,5 Prozent der deutschen Bevölkerung von DIS betroffen sind, wobei die Dunkelziffer möglicherweise höher liegt.
Kann man mehrere Persönlichkeiten gleichzeitig haben?
Ja, bei Ko-Bewusstsein können mehrere Identitäten gleichzeitig bewusst sein und sogar miteinander kommunizieren.
Wie lange dauert die Behandlung?
Die Behandlung von DIS ist typischerweise ein langfristiger Prozess, der mehrere Jahre dauern kann. Die Dauer hängt von verschiedenen Faktoren wie der Schwere der Symptome und der individuellen Reaktion auf die Therapie ab.
Können Kinder DIS entwickeln?
DIS entwickelt sich typischerweise aufgrund von Traumata in der frühen Kindheit, wird aber oft erst im Erwachsenenalter diagnostiziert.
Was ist der Unterschied zwischen DIS und Schizophrenie?
DIS und Schizophrenie sind völlig verschiedene Erkrankungen. Bei Schizophrenie treten Halluzinationen und Wahnvorstellungen auf, bei DIS existieren verschiedene Persönlichkeitszustände.
Sind alle Identitäten bewusst voneinander?
Das variiert stark. Manche haben Ko-Bewusstsein und können kommunizieren, andere haben vollständige Amnesie für die Aktivitäten der anderen Identitäten.
Kann man mit DIS ein normales Leben führen?
Mit angemessener Behandlung und Unterstützung können viele Menschen mit DIS ein erfülltes und funktionales Leben führen.
Werden alle Persönlichkeiten „verschmolzen“?
Das ist nicht immer das Ziel. Manche Menschen erreichen Integration, während andere lernen, funktional mit ihrer Multiplizität zu leben.
Fazit
Die dissoziative Identitätsstörung ist eine komplexe, aber behandelbare psychische Erkrankung, die das Ergebnis schwerer traumatischer Erfahrungen ist. Die wichtigsten Punkte umfassen das Verständnis für die verschiedenen Symptome, die Bedeutung spezialisierter Diagnostik und die Notwendigkeit langfristiger, multidimensionaler Behandlungsansätze.
Frühe Diagnose und angemessene Behandlung sind entscheidend für eine positive Prognose. Während vollständige „Heilung“ selten ist, können deutliche Verbesserungen in der Lebensqualität erreicht werden. Hoffnung und Perspektive sind wichtig für Betroffene und ihre Angehörigen.
Der Kampf gegen Stigmatisierung und für ein besseres Verständnis von DIS ist ein wichtiger gesellschaftlicher Auftrag. Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung verdienen Respekt, Verständnis und Zugang zu angemessener Behandlung. Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, Symptome einer dissoziativen Störung zeigen, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe zu suchen. Mit der richtigen Unterstützung ist ein erfülltes Leben trotz DIS möglich.
Fuente de referencia:
- ICD-11 Klassifikation – DIMDI
- AWMF-Leitlinie: Dissoziative Störungen
- Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde
- International Society for the Study of Trauma and Dissociation
- Bundesministerium für Gesundheit
- Telefonseelsorge Deutschland
Wichtiger medizinischer Hinweis
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