Dialyse: Arten, Funktionsweise, Ablauf und Nebenwirkungen
Die Dialyse ist eine lebensrettende Nierenersatztherapie, die bei schwerwiegendem Nierenversagen zum Einsatz kommt. Diese medizinische Behandlung übernimmt die lebenswichtigen Funktionen der Nieren, wenn diese nicht mehr ausreichend arbeiten können. In Deutschland sind derzeit über 80.000 Menschen auf eine regelmäßige Dialysebehandlung angewiesen – Tendenz steigend aufgrund der demografischen Entwicklung und der Zunahme von Diabetes und Bluthochdruck.
Die Dialyse, auch als Blutwäsche bezeichnet, filtert schädliche Abfallstoffe und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut. Ohne diese Nierenersatztherapie würden Menschen mit schwerem Nierenversagen innerhalb weniger Tage oder Wochen versterben. Dieser umfassende Artikel erklärt Ihnen alles Wissenswerte über die verschiedenen Dialysearten, deren Funktionsweise, den Behandlungsablauf und mögliche Nebenwirkungen.
Was ist Nierenversagen?
Funktion gesunder Nieren
Gesunde Nieren sind lebenswichtige Organe, die täglich etwa 1.700 Liter Blut filtern und dabei etwa 1,5 bis 2 Liter Urin produzieren. Ihre Hauptfunktionen umfassen:
- Filterung von Abfallstoffen: Entfernung von Harnstoff, Kreatinin und anderen Toxinen
- Flüssigkeitsregulierung: Kontrolle des Wasserhaushalts im Körper
- Elektrolytbalance: Regulierung von Natrium, Kalium, Phosphor und anderen Mineralien
- Blutdruckregulierung: Produktion von Hormonen zur Blutdruckkontrolle
- Hormonproduktion: Bildung von Erythropoetin zur Stimulation der Blutbildung
Ursachen von Nierenversagen
Nierenversagen kann akut oder chronisch auftreten. Die häufigsten Ursachen für chronisches Nierenversagen, das eine Dialysebehandlung erforderlich macht, sind:
- Diabetes mellitus: Etwa 40% aller Dialysepatienten leiden an diabetischer Nephropathie
- Bluthochdruck: Langfristiger Bluthochdruck schädigt die Nierengefäße
- Glomerulonephritis: Entzündliche Nierenerkrankungen
- Polyzystische Nierenerkrankung: Vererbte Erkrankung mit Zystenbildung
- Autoimmunerkrankungen: Systemischer Lupus erythematodes
- Medikamente und Toxine: Langfristige Einnahme bestimmter Schmerzmittel
Wann wird Dialyse notwendig?
Eine Dialysebehandlung wird notwendig, wenn die Nierenfunktion auf weniger als 10-15% der normalen Leistung gesunken ist. Dies entspricht Stadium 5 der chronischen Nierenerkrankung mit einer glomerulären Filtrationsrate (GFR) unter 15 ml/min/1,73m². Symptome, die eine sofortige Dialyse erforderlich machen, sind:
- Schwere Urämie (Harnvergiftung)
- Flüssigkeitsüberlastung mit Lungenödem
- Schwere Elektrolytstörungen
- Persistente Übelkeit und Erbrechen
- Neurologische Symptome durch Toxinanhäufung
Die zwei Hauptarten der Dialyse
Hämodialyse
Die Hämodialyse ist die häufigste Form der Dialysebehandlung in Deutschland und wird von etwa 75% aller Dialysepatienten durchgeführt. Bei dieser Blutwäsche wird das Blut außerhalb des Körpers durch einen Dialysator (künstliche Niere) geleitet.
Funktionsweise der Hämodialyse
Bei der Hämodialyse wird das Blut über ein Schlauchsystem zu einem Dialysator geleitet, der aus tausenden kleiner Hohlfasern besteht. Diese wirken als semipermeable Membran, die Wasser und kleinere Moleküle durchlässt, aber größere Proteine und Blutzellen zurückhält. Auf der anderen Seite der Membran fließt das Dialysat – eine spezielle Spüllösung, die überschüssige Stoffe aufnimmt.
Die Reinigung erfolgt durch zwei Hauptprinzipien:
- Diffusion: Abfallstoffe wandern vom Blut ins Dialysat
- Ultrafiltration: Überschüssige Flüssigkeit wird durch Druckunterschied entfernt
Gefäßzugang für Hämodialyse
Für die regelmäßige Hämodialyse ist ein dauerhafter Gefäßzugang erforderlich:
- AV-Fistel: Chirurgische Verbindung zwischen Arterie und Vene, meist am Unterarm
- AV-Shunt: Künstliches Gefäß zwischen Arterie und Vene
- Dialysekatheter: Temporärer oder permanenter Katheter in eine große Vene
Ablauf einer Hämodialyse-Sitzung
Eine typische Hämodialyse-Sitzung läuft folgendermaßen ab:
- Vorbereitung: Patientengewicht und Vitalzeichen werden kontrolliert
- Anschluss: Verbindung des Gefäßzugangs mit der Dialysemaschine
- Behandlung: 4-5 Stunden Dialyse unter kontinuierlicher Überwachung
- Nachbereitung: Rückgabe des Bluts und Kontrolle der Vitalparameter
Die Hämodialyse wird normalerweise dreimal pro Woche für jeweils 4-5 Stunden durchgeführt. Patienten können während der Behandlung lesen, fernsehen oder schlafen.
Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)
Die Peritonealdialyse nutzt das körpereigene Bauchfell (Peritoneum) als natürliche Filtermembran. Diese Dialysemethode wird von etwa 25% der deutschen Dialysepatienten angewendet und ermöglicht oft eine flexiblere Lebensgestaltung.
Funktionsweise der Peritonealdialyse
Bei der Peritonealdialyse wird eine sterile Dialyselösung über einen dauerhaft implantierten Katheter in die Bauchhöhle eingefüllt. Das Bauchfell fungiert als natürliche Membran, durch die Abfallstoffe und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut in die Dialyselösung übertreten. Nach einer bestimmten Verweilzeit wird die gebrauchte Lösung abgelassen und durch frische ersetzt.
Arten der Peritonealdialyse
- CAPD (Continuous Ambulatory Peritoneal Dialysis): 4-5 manuelle Beutelwechsel täglich, keine Maschine erforderlich
- APD/CCPD (Automated Peritoneal Dialysis): Maschinelle Durchführung über Nacht mit einem Cycler-Gerät
- IPD (Intermittent Peritoneal Dialysis): Seltener angewandte intermittierende Form
Vergleich: Hämodialyse vs. Peritonealdialyse
Beide Dialysearten haben spezifische Vor- und Nachteile:
| Aspekt | Hämodialyse | Peritonealdialyse |
|---|---|---|
| Behandlungsort | Dialysezentrum oder zu Hause | Meist zu Hause |
| Zeitaufwand | 3x/Woche, 4-5 Stunden | Täglich, flexibel |
| Flexibilität | Eingeschränkt durch Terminbindung | Höhere Flexibilität |
| Komplikationsrisiko | Gefäßzugangsprobleme | Peritonitis-Risiko |
Wie läuft eine Dialysebehandlung ab?
Vor Beginn der Dialyse
Bevor mit der Dialysebehandlung begonnen werden kann, sind verschiedene Vorbereitungen notwendig:
- Umfassende Diagnostik: Blutuntersuchungen, Herz- und Gefäßuntersuchungen
- Aufklärung und Beratung: Information über verschiedene Dialysearten
- Gefäßzugangsvorbereitung: Anlage einer AV-Fistel oder eines Katheters
- Patientenschulung: Training für Heimdialyse oder Peritonealdialyse
- Ernährungsberatung: Anpassung der Ernährungsgewohnheiten
Während der Dialyse
Während jeder Dialysesitzung werden wichtige Parameter überwacht:
- Blutdruck und Herzfrequenz
- Ultrafiltrationsrate (Flüssigkeitsentzug)
- Dialysedosis (Kt/V-Wert)
- Elektrolytwerte
- Allgemeinbefinden des Patienten
Nach der Dialyse
Nach jeder Dialysebehandlung erfolgt eine Nachbetreuung:
- Kontrolle der Vitalparameter
- Dokumentation der Behandlungsdaten
- Überwachung auf Komplikationen
- Regelmäßige Laborkontrollen zur Qualitätssicherung
Nebenwirkungen und Komplikationen der Dialyse
Häufige Nebenwirkungen der Hämodialyse
Die Hämodialyse kann verschiedene Nebenwirkungen verursachen:
- Niedriger Blutdruck (Hypotonie): Durch schnellen Flüssigkeitsentzug
- Muskelkrämpfe: Besonders in Beinen und Füßen
- Übelkeit und Erbrechen: Durch Elektrolytverschiebungen
- Kopfschmerzen: Oft nach der Behandlung
- Juckreiz: Durch Phosphatanstieg oder Trockenheit
- Müdigkeit: Erschöpfung nach der Dialyse
- Dialyse-Disequilibrium-Syndrom: Seltene, aber schwere Komplikation
Häufige Nebenwirkungen der Peritonealdialyse
Bei der Peritonealdialyse treten andere spezifische Komplikationen auf:
- Peritonitis: Bauchfellentzündung durch Keimeinschleppung
- Katheter-Infektionen: Lokalinfektionen am Austrittsort
- Gewichtszunahme: Durch Glukoseaufnahme aus der Dialyselösung
- Hernien: Bauchwandbrüche durch erhöhten Bauchdruck
- Rückenschmerzen: Durch das Gewicht der Dialyselösung
- Proteinverlust: Über die Bauchhöhle
Langzeitkomplikationen
Beide Dialysearten können langfristige Komplikationen verursachen:
- Kardiovaskuläre Erkrankungen: Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme
- Anämie: Blutarmut durch verminderte Erythropoetinproduktion
- Knochenerkrankungen: Renale Osteopathie durch Kalzium-Phosphat-Störungen
- Sekundärer Hyperparathyreoidismus: Überfunktion der Nebenschilddrüsen
- Amyloidose: Ablagerung von Beta-2-Mikroglobulin in Gelenken
Wie werden Nebenwirkungen behandelt?
Die Behandlung von Nebenwirkungen erfordert eine individuelle Therapie. Wichtig ist, dass Patienten eng mit ihrem Behandlungsteam zusammenarbeiten und bei Problemen sofort professionelle Hilfe suchen. Die Anpassung der Dialyseparameter und präventive Maßnahmen können viele Komplikationen verhindern oder lindern. Bei anhaltenden oder schwerwiegenden Nebenwirkungen sollten Patienten umgehend ihren behandelnden Arzt kontaktieren.
Lebensqualität mit Dialyse
Trotz der Herausforderungen können viele Dialysepatienten ein erfülltes Leben führen. Die Dialysebehandlung erfordert Anpassungen im Alltag, aber mit der richtigen Planung und Unterstützung ist ein aktives Leben möglich.
Alltag und Berufstätigkeit
Viele Dialysepatienten können weiterhin berufstätig sein. Die Peritonealdialyse oder Heimhämodialyse bieten oft mehr Flexibilität. Wichtig sind:
- Anpassung der Arbeitszeiten an Dialysetermine
- Offene Kommunikation mit dem Arbeitgeber
- Nutzung des Schwerbehindertenausweises bei Bedarf
- Ergonomische Arbeitsplatzgestaltung
Ernährung während der Dialyse
Die Ernährung spielt bei der Dialysebehandlung eine zentrale Rolle:
- Flüssigkeitsbeschränkung: Meist 0,5-1 Liter pro Tag zusätzlich zur Urinmenge
- Kaliumkontrolle: Vermeidung kaliumreicher Lebensmittel
- Phosphatbeschränkung: Reduktion phosphatreicher Nahrungsmittel
- Proteinzufuhr: Ausreichende aber nicht übermäßige Proteinaufnahme
- Natriumkontrolle: Salzarme Kost zur Blutdruckkontrolle
Reisen und Feriendialyse
Reisen ist mit Dialyse möglich, erfordert aber Planung:
- Frühzeitige Anmeldung in Feriendbetrieben
- Organisation der Krankenunterlagen
- Reiseversicherung für Dialysepatienten
- Mitnahme wichtiger Medikamente
Alternativen und Ergänzungen zur Dialyse
Nierentransplantation
Die Nierentransplantation ist die beste Langzeitbehandlung für geeignete Patienten. Sie bietet:
- Bessere Lebensqualität als Dialyse
- Höhere Lebenserwartung
- Mehr Flexibilität im Alltag
- Weniger Ernährungsbeschränkungen
Voraussetzungen für eine Transplantation sind gute Allgemeinverfassung, keine schweren Begleiterkrankungen und psychische Stabilität.
Konservative Therapie
Für ältere oder sehr kranke Patienten kann eine konservative, nicht-dialytische Behandlung sinnvoll sein. Diese umfasst:
- Symptomlinderung durch entsprechende medizinische Betreuung
- Palliative Betreuung
- Psychosoziale Unterstützung
- Hospizbetreuung in der Endphase
Neue Entwicklungen
Die Dialysetechnologie entwickelt sich ständig weiter:
- Tragbare Dialysegeräte: Kleinere, mobile Geräte für mehr Flexibilität
- Wearable Artificial Kidney: Am Körper tragbare Dialysesysteme
- Bioartifizielle Nieren: Kombination aus Technik und lebenden Nierenzellen
- Implantierbare Systeme: Langfristige Vision kontinuierlicher Nierenersatztherapie
Kosten und Kostenübernahme
Die Dialysebehandlung ist kostenintensiv, wird aber in Deutschland vollständig von den Krankenkassen übernommen:
- Behandlungskosten: Etwa 50.000-60.000 Euro pro Patient und Jahr
- Gesetzliche Krankenversicherung: Vollständige Kostenübernahme
- Private Krankenversicherung: Je nach Tarif vollständige Erstattung
- Zuzahlungen: Reguläre Zuzahlungen für Medikamente und Hilfsmittel
- Schwerbehindertenausweis: Oft Grad der Behinderung von 80-100
Dialysezentren und Heimdialyse
In Deutschland gibt es über 1.200 Dialyseeinrichtungen. Bei der Auswahl sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden:
- Erreichbarkeit und Öffnungszeiten
- Qualifikation des Personals
- Technische Ausstattung
- Zusätzliche Serviceleistungen
- Patientenbewertungen
Die Heimdialyse erfordert intensive Schulung, bietet aber mehr Flexibilität und oft bessere Behandlungsresultate.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange kann man mit Dialyse leben?
Die Lebenserwartung mit Dialyse hängt von vielen Faktoren ab. Jüngere Patienten können oft Jahrzehnte mit Dialyse leben, während ältere oder schwer kranke Patienten eine geringere Lebenserwartung haben.
Ist Dialyse schmerzhaft?
Die Dialyse selbst ist nicht schmerzhaft, kann aber Nebenwirkungen wie Muskelkrämpfe oder Kopfschmerzen verursachen. Die Punktion der AV-Fistel kann anfangs unangenehm sein.
Wie oft muss man zur Dialyse?
Hämodialyse erfolgt meist dreimal pro Woche für 4-5 Stunden. Peritonealdialyse wird täglich durchgeführt.
Kann man während der Dialyse schlafen?
Ja, viele Patienten schlafen während der Hämodialyse oder beschäftigen sich anderweitig.
Kann man mit Dialyse arbeiten gehen?
Viele Dialysepatienten können weiterhin berufstätig sein, eventuell mit angepassten Arbeitszeiten.
Fazit
Die Dialyse ist eine lebensrettende Nierenersatztherapie, die Menschen mit Nierenversagen ein Weiterleben ermöglicht. Sowohl die Hämodialyse als auch die Peritonealdialyse haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Die Wahl der geeigneten Dialysemethode sollte individuell unter Berücksichtigung der persönlichen Lebensumstände und medizinischen Faktoren getroffen werden.
Wichtig ist eine enge Zusammenarbeit mit dem Behandlungsteam, die Einhaltung der Behandlungsempfehlungen und eine positive Einstellung zur Therapie. Mit modernen Dialyseverfahren und umfassender Betreuung können viele Patienten trotz der Nierenersatztherapie eine gute Lebensqualität erreichen.
Die Nierentransplantation bleibt die beste Langzeitlösung für geeignete Patienten. Neue technologische Entwicklungen versprechen in Zukunft weitere Verbesserungen der Dialysebehandlung. Betroffene und Angehörige finden bei Patientenorganisationen, Selbsthilfegruppen und Dialysezentren umfassende Unterstützung und Beratung.
Fuente de referencia:
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie
- Bundesverband Niere e.V.
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie
- Kassenärztliche Bundesvereinigung
- Gemeinsamer Bundesausschuss
- Robert Koch-Institut
Wichtiger medizinischer Hinweis
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